• Ende August: Neun-Euro-Ticket läuft aus
  • Nachfolgelösung: Christian Lindner lehnt Fortsetzung von Neun-Euro-Ticket ab
  • Studie: Neun-Euro-Ticket führt nicht zur Verkehrsverlagerung

Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMVD) freut sich über den Erfolg des Neun-Euro-Tickets, das im Rahmen eines Entlastungspakets der Ampel-Regierung in Kraft getreten ist. Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) freut sich über "viele Vorschläge, wie ein mögliches Anschlussticket aussehen könnte." Er wolle den Tarif-Dschungel beseitigen und das ÖPNV-Angebot für die Bürgerinnen und Bürger möglichst einfach und attraktiv zu gestalten.

Kritik an Christian Lindner

Wissings Parteikollege und Finanzminister Christian Lindner scheint über die Ideen für ein Anschlussticket nicht so erfreut zu sein. Er sei von einer "Gratismentalität à la bedingungsloses Grundeinkommen" auch im öffentlichen Nahverkehr nicht überzeugt. Seine Argumentation zielt darauf, dass auch Menschen, die beispielsweise auf dem Land leben und den ÖPNV nicht im gleichen Maße nutzen wie Menschen aus der Stadt, das Ticket mitfinanzieren müssten. Das sei "nicht fair" sagte er gegenüber der Augsburger Allgemeinen.

Für dieses Statement erntete Lindner viel Kritik. So äußerte sich der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Ulrich Schneider gegenüber RTL/ntv mit den Worten "von einer 'Gratismentalität' zu sprechen, ist eine Frechheit" angesichts vieler Menschen, die ohnehin vor großen Problemen angesichts der vielen Preissteigerungen stehen. Auch auf Twitter äußern sich viele User*innen empört über Lindners Aussage.

Die Grünen liefern währenddessen zwei Vorschläge zu einer Weiterführung des Neun-Euro-Tickets. Zum einen schlagen sie ein 29-Euro-Ticket vor. Dieses soll landesweit gelten und vor allem Pendler*innen nutzen. Ein 49-Euro-Ticket solle zudem bundesweit gelten und den "Tarif-Dschungel" durchbrechen. 

Neun-Euro-Ticket führt nicht zu einer Verkehrsverlagerung: Alarmierende Daten

Auch wenn die Nachfrage nach dem Neun-Euro-Ticket sehr hoch ist und sich eine große Mehrheit auch für eine günstige Nachfolge des Neun-Euro-Tickets ausspricht, zeigen neueste Untersuchung überraschende Ergebnisse. So kam eine Untersuchung der Technischen Universität München (TU) im Großraum München zu dem Ergebnis, dass zwar 35 Prozent der Menschen den ÖPNV häufiger genutzt haben, allerdings nur drei Prozent dafür ihr Auto stehen gelassen haben.

Zudem betonte der Projektleiter öffentlicher Verkehr des Interessenverbands Agora Verkehrswende, Philipp Kosok bezüglich aktueller wissenschaftlicher Auswertungen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa): "Das, was vorliegt, sind allerdings sehr alarmierende Daten. Es deutet darauf hin, dass mit dem 9-Euro-Ticket mehr Verkehr erzeugt und vor allem kaum verlagert wird." Wie es mit dem Neun-Euro-Ticket also weitergeht, bleibt zunächst noch abzuwarten.