Selten ist ein "Asterix" von Fans mit so großer Spannung erwartet worden. Diesmal haucht der neue Autor Fabcaro den Galliern Leben ein. Er kommt dem Geist der Asterix-Erfinder dabei näher als sein Vorgänger.
Genau 50 Jahre nach dem grandiosen Comicband "Streit um Asterix" ergreift wieder kollektives Gefühlschaos das gallische Dorf. Doch in "Die Weiße Iris" - ab diesem Donnerstag (26. Oktober 2023) im Handel - sind es nicht wie damals Wut und Neid, die die öffentliche Ordnung gefährden. Nein, Sanftmut, Achtsamkeit und politische Korrektheit überwuchern wie geistiger Mehltau die Freunde von Asterix und Obelix.
Als Influencer, der jeden Menschen einzeln beglückt, schleimt sich der römische Militärarzt Visusversus durch das Dorf. Er gewinnt das Vertrauen der Menschen, unterzieht sie einer Gehirnwäsche. Irgendwann sind die einst rauflustigen Dörfler alle Weicheier. Natürlich handelt es sich um einen Versuch Roms, die Kampfkraft der Gallier zu brechen.
Neuer Asterix-Comic mit neuem Autor: "Das war surreal"
Visusversus verbreitet schräge Glückskeks-Weisheiten wie "Jedes Problem hört auf, eines zu sein, sobald es keine Lösung dafür gibt."
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Der spröden Gutemine bescheinigt der schmierige Römer: "Du funkelst und schillerst". Verleihnix - der "edle Händler mit dem Seetangbukett" - wird von ihm bekehrt, regionalen Fisch zu verkaufen. Am nächsten Tag sind die Fliegen über der Ware verschwunden. Selbst die Wildschweine im Wald wollen kuscheln. Alle haben sich lieb.
Niemand will mehr den Barden Troubadix verkloppen. Asterix und Obelix schwant nichts Gutes. Sie fallen nicht auf die Bewegung der weißen Iris herein. Und schon bald wird klar, was Visusversus geplant hat.
"Das stört mich schon": Kritik aus der Fangemeinde
Das Wichtigste an diesem Band ist wohl der neue Autor. Fabrice Caro ist in Frankreich unter dem Künstlernamen Fabcaro enorm erfolgreich. Sein Comic "Zaï zaï zaï zaï" verkaufte sich mehr als 180.000 Mal. Für den 50-Jährigen kam das Angebot, das Szenario des 40. Albums zu entwerfen, völlig überraschend: "Das war surreal."
Fabcaro ersetzt als Autor Jean-Yves Ferri, der nach fünf Bänden dieses Mal nicht mitwirkte. Das war wohl nur eine Frage der Zeit. Seit 2013 mühte sich Ferri redlich, dem wichtigsten Comic Europas gemeinsam mit Zeichner Didier Conrad neues Leben einzuhauchen. Conrad hatte dabei vielleicht die leichtere Aufgabe: Er zeichnet bis heute sehr genaue Kopien der beliebten Helden in dem Stil, wie sie in den 1960ern und 1970ern schon aussahen, oft sogar in denselben Posen.