Die SPD will neue Finanzquellen für die Kranken- und Pflegekassen erschließen und Beamte in die gesetzliche Rente einzahlen lassen. Es gibt klare Reaktionen - aber auch versöhnliche Töne.
Mit Vorschlägen für eine breitere Finanzierung von Gesundheit und Pflege hat die SPD bei Deutschlands gesetzlichen Krankenkassen und dem Koalitionspartner negative Reaktionen ausgelöst. Der Kassen-Spitzenverband warnte davor, einfach die Einnahmen zu erhöhen.
Gleichzeitig blieben die Generalsekretäre von CDU und SPD, Carsten Linnemann und Tim Klüssendorf, im Ton versöhnlich. Die SPD dürfe Vorschläge mit «SPD pur» machen, so Linnemann. Die CDU mache das auch.
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verwies auf die mehr als eine Milliarde Euro, die der GKV in diesem Jahr pro Tag zur Verfügung stünden. «Das ist sehr viel Geld», sagte Verbandschef Oliver Blatt, «das muss reichen.» Es müsse darum gehen, die Ausgabendynamik in den Griff zu bekommen und nicht einfach nur die Einnahmen zu erhöhen und die Versicherten noch mehr zu belasten.
Die SPD argumentiert: «Heute tragen vor allem die Arbeitseinkommen die Last unseres Gesundheits- und Pflegesystems.» Dies belaste viele Menschen und hemme soziale Gerechtigkeit. Kapital- und Mieterträge machen laut SPD immer größere Anteile bei vielen aus. Diese heranzuziehen, wäre aus ihrer Sicht gerecht und könnte sogar für eine Beitragssenkung sorgen.
Linnemann sagte in Berlin, er halte von dem Vorschlag «nicht viel». Die soziale Marktwirtschaft lebe von der Eigentumsbildung. Er halte eine neue Abgabe nicht für den richtigen Weg. Das sei Mehrheitsmeinung in der Union und auch Meinung des CDU-Parteivorsitzenden, Bundeskanzler Friedrich Merz.
«Ein fatales Zeichen»
Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Simone Borchardt (CDU), sagte der «Augsburger Allgemeinen»: «Der Vorschlag wäre ein fatales Zeichen und ein Blankoscheck für ein "Weiter so", welches wir uns nicht mehr leisten können.» Leistungsanreize und Investitionskraft dürften nicht untergraben werden.
Die SPD fordert auch eine Ausweitung der Rentenversicherungspflicht auf Beamte, Selbstständige und Mandatsträger. Mit den Forderungen machte die SPD bei einer Klausur des SPD-Parteivorstands am Wochenende auf sich aufmerksam. SPD-Generalsekretär Klüssendorf verteidigte die Vorstöße in der Sendung RTL/ntv-«Frühstart». Er zeigte sich durchaus zuversichtlich, mit der Union darüber noch ins Gespräch zu kommen.