«Zeichen der Einheit und der Stärke»
Mit der Verlegung der Allied Reaction Force zeige die Nato, «dass wir in einer möglichen Krise sehr schnell einem möglichen Gegner aufzeigen können, wo die roten Linien liegen», sagte Nato-General Ingo Gerhartz, der im niederländischen Brunssum das Kommando über das operative Hauptquartier («Allied Joint Force Command») hat.
Dieses Nato-Kommando ist für die Verteidigung Mitteleuropas zuständig – vom Atlantik bis zur östlichen Grenze des Bündnisses. Gerhartz war zuvor Chef der Deutschen Luftwaffe. Nun ist er das deutsche Gesicht im operativen Gesicht der Nato.
Dass die schnellen Kräfte in diesem Jahr aus Nationen aus Südeuropa bestehen - Spanien, Türkei, Griechenland, Italien - bezeichnet Gerhartz als «ganz wichtiges und deutliches Zeichen der Einheit und der Stärke dieser Nato».
Deutschland als Drehscheibe der Nato
In der neuen Bedrohungslage kommt Deutschland mit der wirtschaftlichen Kraft und der geografischen Lage eine besondere Rolle zu. Die Nato nutzt den Begriff Drehscheibe für einen möglichen Aufmarsch der Verbündeten als Reaktion auf einen drohenden russischen Angriff.
Dass die Anlandung von Truppen über einen deutschen Küstenabschnitt erfolgt, ist Konzept der Übung, muss aber nicht dem Einsatz im Ernstfall entsprechen. Die Militärexperten sprechen von einer «Übungskünstlichkeit». Im Fall der Fälle würde die Anlandung wohl eher im Baltikum erfolgen, also näher an der Ostflanke.
Die nach Deutschland verlegten Truppen gehen nun in weitere Übungen. Auf dem Truppenübungsplatz Bergen in der Lüneburger Heide werden der Kampf zu Lande und die dafür nötigen Waffensysteme demonstriert. Ukrainer werden auch den Kampf mit und die Bekämpfung von Drohnen vorführen.
Von den Fronterfahrungen der Ukrainer soll die Bundeswehr künftig verstärkt profitieren. Die Regierungen in Berlin und Kiew haben mit einem Abkommen den Weg dafür geebnet, ukrainische Ausbilder in der Bundeswehr einzusetzen. Geplant ist, vor allem an den Truppenschulen des Heeres die Erfahrungen ukrainischer Soldaten in die Ausbildung einfließen zu lassen.
Generalinspekteur: müssen uns einer realen Bedrohung stellen
«Der Krieg in der Ukraine ist keine Blaupause, aber er ist ein Lehrmeister. Das heißt, wir treffen die Ableitung aus dem Krieg in der Ukraine. Wir können aber nicht sagen, dass ein Krieg in der Zukunft genauso aussehen wird», sagte Generalinspekteur Carsten Breuer in Putlos. «Diese Ableitungen zu treffen und sie sinnvoll hier auch mit hineinzubringen, auch dazu dient diese Übung.»
Europas Sicherheitslage sei so unsicher wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Russland richte seine Streitkräfte weiter nach Westen aus, rüste auf und ziehe Lehren aus dem Krieg in der Ukraine.
«Wir müssen uns einer realen Bedrohung stellen», sagt Breuer. Und: «Teil dieser Vorbereitung sind solche Übungen, wie wir sie heute hier sehen und damit auch Teil der Abschreckung.»