China baue seine Position auf den Weltmärkten in zahlreichen Branchen deutlich aus, sagte DIHK-Präsident Peter Adrian. «Für deutsche Unternehmen ergeben sich daraus Chancen, etwa durch den starken technologischen Fortschritt und die Innovationskraft vor Ort. Dem stehen jedoch wachsende Risiken gegenüber, etwa durch staatliche Eingriffe und ungleiche Wettbewerbsbedingungen.»
Die Lage für die deutschen Unternehmen in China sei nicht leichter geworden, sagte Oliver Oehms, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Auslandshandelskammer in China. Zwei große Trends seien Lokalisierung und Partnerschaften deutscher Unternehmen mit chinesischen Firmen, auch um aus China zu exportieren.
Abhängigkeiten
Die deutsche Automobilindustrie sei vor allem bei der Batterieproduktion stark von chinesischen Zulieferungen abhängig, ebenso wie die Rüstungsindustrie und die erneuerbaren Energien, die für Deutschlands Energiewende von zentraler Bedeutung seien, sagte Esther Goreichy vom China-Institut Merics.
China dominiert laut DIHK mit über 90 Prozent die weltweite Verarbeitung von seltenen Erden. Die Rohstoffe sind essenziell für Smartphones, Laptops, Windrad-Turbinen oder Elektromotoren.
Seit April 2025 beschränkt Peking den Export seltener Erden. Deutsche Firmen müssen aufwendige Genehmigungsverfahren durchlaufen und erhalten meist nur so viel, wie sie brauchen, ohne Lagerbestände aufbauen zu können. Wegen langer Lieferzeiten, geringer Ausfuhren und mangelnden Alternativen hätten in vielen Industrien Produktionsstopps gedroht, so die DIHK.
Deutschland und Europa müssten schnell Risiken mindern - sonst würde deren Beseitigung in Zukunft teurer, so Goreichy. China liefere zudem chemische Produkte, IT-Ausrüstung, elektronische sowie optische Güter, die in der gesamten deutschen Wertschöpfungskette präsent sind - was die Notwendigkeit einer «Strukturpolitik» unterstreiche.
Strategie des De-Risking
Weit verzweigte Lieferketten sollen eine Abhängigkeit von China vermeiden. Das zumindest war Kern der China-Strategie unter der Ampel-Regierung im Jahr 2023. Der Begriff dafür lautet: De-Risking. In der Strategie wird China als Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale bezeichnet.
«Die in der China-Strategie der vorigen Bundesregierung stark priorisierte De-Risking-Strategie funktioniert nicht, wie sie sollte», sagte IW-Experte Matthes. So gebe es hohe deutsche Importabhängigkeiten von China. Das Beispiel seltene Erden verdeutliche zudem, dass zu viele Unternehmen «fahrlässig» mit kritischen Importabhängigkeiten umgingen. Matthes sprach sich für eine Risikoanalyse aus, um die größten Importabhängigkeitsrisiken zu identifizieren und daran gezielt anzusetzen.
Erwartungen an Merz
Die China-Reise des Bundeskanzlers komme zum richtigen Zeitpunkt, sagte DIHK-Präsident Adrian. Neben den Fragen gleicher Wettbewerbsbedingungen bei Handel und Investitionen müsse es um Exportrestriktionen bei wichtigen Rohstoffen gehen. «Exportkontrollen müssen regelbasiert und transparent erfolgen. Bestehende Genehmigungs- und Kontrollprozesse müssen vereinfacht, beschleunigt und berechenbarer werden», forderte er.