Mit der Vorstellung des neuen GLC, ein SUV aus dem mittleren Segment, folgte im Herbst das laut Källenius meistverkaufte Modell bei Mercedes-Benz. Die neuen Fahrzeuge seien gut, sagt Kronenberger. «Ich glaube, dass Mercedes so langsam die Substanz liefert, die es braucht.»
Gewinn um die Hälfte eingebrochen
In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres ging der Gewinn um die Hälfte zurück. Das Konzernergebnis brach von rund 7,81 Milliarden Euro auf 3,88 Milliarden Euro ein. Der Umsatz ging um acht Prozent auf 98,5 Milliarden Euro zurück. Und das im Vergleich zu einem bereits bescheidenen Vorjahreszeitraum. Zahlen für das gesamte Jahr will Mercedes an diesem Donnerstag vorlegen.
Mercedes habe in der Vergangenheit einen technologischen Vorsprung gehabt und habe deshalb seine Fahrzeuge teurer verkaufen können, sagt Branchenexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. «Aber die anderen haben aufgeholt und sind auch so gut, aber günstiger. Wenn man dann nicht deutlich besser ist, kann man auch nicht deutlich mehr verlangen, und das trifft Mercedes momentan extrem», sagt er.
Starke Konkurrenz in China
Das treffe Mercedes vor allem im Kernmarkt China, wo es gerade im Premium- und Luxussegment starke Wettbewerber gebe. Mercedes habe dort erheblich Marktanteile verloren, sagt Bratzel. In China kämpfen gerade zig einheimische und teils junge Hersteller um Marktanteile - mit entsprechenden Kampfpreisen. Nach wie vor ist China das wichtigste Land für Mercedes. Fast ein Drittel aller Pkw setzten die Schwaben 2025 dort mit 551.900 Pkw ab.
Insgesamt verkaufte Mercedes im vergangenen Jahr etwas mehr als 1,8 Millionen Pkw, was einem Rückgang von neun Prozent im Vergleich zu 2024 entspricht. In China fiel der Rückgang mit 19 Prozent besonders deutlich aus.
In China bleibe die Produktsubstanz Fondsmanager Kronenberger zufolge vorerst ein Problem, da die neuen Modelle dort erst in den Markt kämen und sich erst im Laufe von 2027 bei den Stückzahlen bemerkbar machen dürften.
Zölle drücken auf den Gewinn
Auch die Zollpolitik der USA unter Präsident Donald Trump treffe Mercedes extrem, sagt Bratzel. Die Zölle drücken auf den Gewinn. Auch die Kosten, die etwa in der Produktion oder in der Verwaltung anfallen, drücken auf das Ergebnis. Mercedes habe in Deutschland ein Kostenproblem, weil hier die Personalkosten vergleichsweise hoch seien, sagt Bratzel.
Kosten sollen runter
Das Unternehmen hat reagiert. Ein vor einem Jahr ausgerufenes Sparprogramm soll helfen, wieder profitabler zu werden. Demnach sollen bis 2027 die Produktionskosten um zehn Prozent im Vergleich zu damals sinken. Zudem würden die Materialkosten optimiert. Auch die Fixkosten sollen bis 2027 um weitere zehn Prozent sinken. Helfen soll auch ein Abfindungsprogramm für Beschäftigte in indirekten Bereichen, also nicht in der Produktion.
Das Sparprogramm trage erste Früchte, sagt Kronenberger. «Mercedes hat noch immer Speck auf den Rippen», sagt er. Aber: Mercedes werde alle Kosten, die rauszunehmen sind, auch herausnehmen.
Schafft Mercedes die Trendwende?
2026 werde für Mercedes insgesamt ein Übergangsjahr, sagt Kronenberger. Er gehe davon aus, dass man 2027 positive Tendenzen sehen werde. Auch Bratzel traut Mercedes die Trendwende prinzipiell zu. Eine Chance sieht er bei Fahrassistenzsystemen und automatisiertem Fahren, wo Mercedes weltweit vorn mit dabei sei. Die nächsten Jahre entschieden darüber, ob man eine führende Rolle als Premiumautobauer behalten könne. Mercedes müsse jedenfalls «hart dafür kämpfen».