Hürden nach London
Auf anderen Routen gibt es dagegen Hindernisse. So laufen Gespräche über eine Bahn-Direktverbindung von Deutschland nach London. Schon heute können Reisende aus Frankfurt oder Köln in die britische Hauptstadt fahren, müssen dafür aber in Brüssel umsteigen.
«Die Hürden für eine Direktverbindung sind nicht zu unterschätzen, auch weil Großbritannien nicht Teil des Schengen-Raums ist. Wir bräuchten daher einen Terminal mit abgegrenzten Sicherheitskontrollen.» Es gebe eine Taskforce zwischen Bahn und Eurostar. «Für eine Bahn-Direktverbindung zwischen London und Deutschland braucht es aber noch einige Jahre.»
Bahn profitiert von hohen Spritpreisen
Allgemein komme der Bahn zugute, dass mit dem Iran-Krieg Autofahren teurer geworden ist. «Wir sehen, dass sich die Menschen angesichts der hohen Spritpreise stärker für die Reise mit der Bahn entscheiden», sagte Peterson. «An einzelnen Tagen verzeichnen wir bis zu zehn Prozent mehr Nachfrage.» Um einen strukturellen Trend zu beurteilen, sei es aber noch zu früh.
Zwar treibt der Iran-Krieg die Energiekosten für Unternehmen, doch die Bahn fahre im Fernverkehr zu 100 Prozent mit Ökostrom und sei so unabhängig von fossilen Brennstoffen. Außerdem hat sich der Konzern laut Peterson für dieses Jahr zusätzlich gegen Preisanstiege abgesichert und sich 2027 große Mengen an Strom vertraglich gesichert.
Das größte Ärgernis für Bahnfahrer, die häufigen Verspätungen, ließen zuletzt etwas nach. «Die Pünktlichkeit der Fernverkehrszüge war im April mit 64,4 Prozent erneut besser als im Vormonat», sagte Peterson. Ziel sei weiter die Marke von 60 Prozent für 2026. «Die Wintermonate bleiben aber eine schwere Hypothek.» Noch im Februar wurden nur 59,4 Prozent aller Fernverkehrshalte pünktlich erreicht, im Januar rund 52 Prozent.
KI gegen Verspätungen
Beim Kampf gegen Verspätungen setzt die Bahn auch auf Künstliche Intelligenz (KI). «Zum Beispiel kann die KI unseren Disponenten bei der Frage helfen, ob ein Zug auf eine verspätete Verbindung warten sollte oder ob es besser ist, ihn abfahren zu lassen, damit möglichst viele Fahrgäste profitieren und das Gesamtgefüge nicht aus dem Takt gerät», sagte Peterson.
Der Schlüssel für eine pünktliche Bahn liege aber in der Infrastruktur, die jahrzehntelang vernachlässigt worden sei. «Am Ende ist Eisenbahn aber ein physisches Produkt, es geht um Räder auf Gleisen.»