Sven Schulze ist neuer Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt. Das ging dank Stimmen aus der Opposition reibungsloser, als viele erwartet hätten. Der Blick geht nun Richtung Landtagswahl.
Sven Schulze dribbelt gerne. In seinem Büro liegen mehrere kleine Bälle im Raum verstreut. Beim Telefonieren läuft der 46-Jährige bisweilen mit einem Ball am Fuß durchs Zimmer - kurzes Dribbling um den Konferenztisch, dann Torschuss auf die Bürotür. Nun hat der CDU-Politiker ein neues Tor im Blick - er zieht vom Wirtschaftsministerium als Ministerpräsident in die Magdeburger Staatskanzlei. Schulze hat gut sieben Monate Zeit, auf diesem Spielfeld unter Beweis zu stellen, dass er als Mannschaftskapitän die Landesregierung führen kann. Der Hauptgegner, den es auszudribbeln gilt: eine starke AfD, die in Sachsen-Anhalt eine Alleinregierung anstrebt.
Um gegen sie in eine möglichst gute Ausgangsposition zu kommen, hat in Magdeburg der dienstälteste Ministerpräsident Deutschlands, Reiner Haseloff (CDU), an den aktuell jüngsten Regierungschef übergeben. Dass das im ersten Wahlgang gelingen würde, hatten viele nicht erwartet. Zu oft hatte es in der Vergangenheit Abweichler gegeben. 2016 und 2021 wurde Haseloff erst im zweiten Anlauf gewählt.
Ganz anders jetzt: 58 Abgeordnete stimmen im Parlament im ersten Wahlgang für Schulze - das sind zwei Stimmen mehr als die Regierungskoalition aus CDU, SPD und FDP Sitze hat. Von der Besuchertribüne im Magdeburger Landtag wirft Schulzes Ehefrau Kathleen per Hand angedeutete Küsse in Richtung Regierungsbank.
Schulze: «Das ist gut für unser Land»
«Es ist ein gutes Zeichen, dass wir eine breite Mehrheit haben für den Start in eine neue Zeit für Sachsen-Anhalt», sagt der neue Ministerpräsident direkt nach seiner Wahl. «Das ist gut für unser Land und das ist auch gut für die Menschen in den Wahlkreisen, die Sie, werte Abgeordnete, hier vertreten.» Schulze dankt auch seinem Amtsvorgänger, der ihm den Karriereweg ebnete. Haseloff habe Maßstäbe gesetzt und sei immer Mensch geblieben.
Nach 15 Jahren an der Regierungsspitze war Haseloff am Dienstag als Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt zurückgetreten. Der 71-Jährige ermöglicht Schulze, als Regierungschef und nicht nur als CDU-Spitzenkandidat in die Landtagswahl am 6. September zu gehen. Zum Abschied gab es stehenden Applaus für Haseloff. Lediglich die AfD-Fraktion und zwei fraktionslose Abgeordnete blieben sitzen und applaudierten nicht.
Haseloff: «Operation mehr als gelungen»
Das Wahlergebnis sei toll, sagt Haseloff der Deutschen Presse-Agentur, als die Sitzung unterbrochen ist. «Operation mehr als gelungen.»
Sven Schulze hat sich in der Politik zielstrebig nach oben gearbeitet: CDU-Generalsekretär in Sachsen-Anhalt, Mitglied im Europäischen Parlament, seit März 2021 CDU-Landesvorsitzender. Nach der Landtagswahl 2021 schmiedete er geräuschlos die Koalition aus CDU, SPD und FDP - und sein Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten.