Mit dem verschärften Sparkurs bei VW wächst die Sorge um Standorte und Jobs. Experten und Politik fordern vom Vorstand mehr als Kürzungen. Wo ist das tragfähige Konzept für die Zukunft des Autobauers?
Während der VW-Vorstand seine Standorte-Tour zur Belegschaft fortsetzt, wird Kritik an einer fehlenden Perspektive laut. «Es ist meine klare Erwartungshaltung an den Vorstand, für ein tragfähiges Zukunftskonzept zu sorgen», sagte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies der Deutschen Presse-Agentur. «Werksschließungen und massenhafte Entlassungen können nicht die Lösung sein», kritisierte der SPD-Politiker.
Nach Ankündigung von Vorstandschef Oliver Blume, den Sparkurs zu verschärfen, wird beim größten Autobauer Europas um Zehntausende zusätzliche Jobs und vier ganze Standorte gebangt. Der mächtige Betriebsrat reagierte entrüstet und berief außerordentliche Betriebsversammlungen an insgesamt neun Standorten ein.
Betriebsversammlung in Dresden abgesagt
Nach dem Auftakt in Wolfsburg und Besuchen in den als bedroht geltenden Werken in Emden und Zwickau waren für Donnerstag Termine mit Vertretern des Vorstands im Motorenwerk in Chemnitz und der Gläsernen Manufaktur in Dresden geplant. Auf eine Versammlung in Dresden sei aber im Einvernehmen verzichtet worden, weil dort derzeit kein akuter Informationsbedarf bestehe, sagte Betriebsratssprecher Heiko Lossie.
In Dresden produziert VW bereits seit Ende letzten Jahres keine Autos mehr. Nach 24 Jahren Serienproduktion rollte im Dezember der letzte Wagen vom Band. In dem zentral gelegenen Glasbau entsteht in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden ein Innovationscampus. Die 230 Beschäftigten sollen ihren Arbeitsplatz vorerst behalten.
Von der Betriebsversammlung mit VW-Vorstandsmitglied Thomas Schmall gingen positive Signale für das Chemnitzer Motorenwerk aus. Finanzkennzahlen, Produktionszahlen sowie Auslastung seien in Chemnitz super und die Auftragsbücher voll, sagte Christian Sommer, Sprecher von VW Sachsen, nach der Versammlung. Auch Betriebsratschef Olaf Glöckner bewertete die Stimmung nach Schmalls Besuch positiv.
Vier Standorte besonders im Blick
Neben Emden und Zwickau gibt es für das Nutzfahrzeugwerk in Hannover und den Audi-Standort in Neckarsulm keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre. «Ich möchte aber auch klarstellen, dass es keine Entscheidung zu möglichen Werkschließungen gibt», sagte Blume. Ziel sei es, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen.
Vorstandschef Blume betonte zuletzt immer wieder, dass es sich nicht um ein VW-internes Problem handele. «Die gesamte Autoindustrie steht unter enormem Druck», sagte er. US-Zölle, die Marktentwicklung in China und mehrere politische Krisen zählt er zur Lagebeschreibung auf, die alle großen Hersteller und auch Zulieferer treffe.