Iran-Krieg und Kerosin: Drohen Flugausfälle und teure Tickets 2026?
Autor: Agentur dpa, Redaktion
Hannover, Montag, 27. April 2026
Der Iran-Krieg lässt die Sorge vor einem Kerosin-Engpass wachsen. Fluggesellschaften streichen Verbindungen, während Ticketpreise für 2026 unter Druck geraten.
Der Iran-Krieg rückt die Straße von Hormus ins Zentrum einer heiklen Frage: Reicht Kerosin in Europa, wenn Lieferwege stocken? Aus einem geopolitischen Risiko wird schnell ein Problem für Flugbenzin, Preise und Planung – ausgerechnet kurz vor dem Sommer. Die deutsche Politik sieht zwar kein Versorgungsproblem, setzt aber Branchengipfel und Beratungen im Nationalen Sicherheitsrat an.
Der stockende Nachschub von Kerosin könnte nach Einschätzung des Luftverkehrsverbandes BDL zudem schon bald zu spürbaren Einschnitten im Flugangebot führen. "Die Sommerreisesaison steht unmittelbar bevor, das Ökosystem Tourismus ist in der Hauptreise- und Geschäftszeit bei ein- und ausreisenden Touristen auf den Luftverkehr angewiesen", warnt BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Zuvor hatte die "Welt am Sonntag" berichtet.
Kerosin-Engpass im Sommer? Luftverkehrsverband warnt - Tui Chef äußert sich
Was das für die Preise bedeuten kann, zeigt unser Überblick dazu, wie der Krieg die Kosten für Flugtreibstoff nach oben treibt und warum Reisen 2026 dadurch vielerorts teurer werden könnten. Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge könnte Kerosin in Teilen Europas wegen der Lage in der Straße von Hormus in den kommenden Wochen knapp werden. Die Fluggesellschaften haben bereits reagiert. Airlines wie KLM oder SAS haben unrentable Flüge aus dem Programm genommen. Der Lufthansa-Konzern lässt 27 Flugzeuge der Regionaltochter Cityline stehen und will weitere Spritfresser zum Winterflugplan ab Ende Oktober aus der Flotte streichen. Der BDL sieht derartige Maßnahmen als ersten Schritt. Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung kann ein Kerosinmangel abgewendet werden, wenn schnell gegengesteuert wird.
Auch auf EU-Ebene wächst der Druck: Der europäische Flughafenverband ACI Europe warnt vor einer möglichen Kerosin-Knappheit, falls sich der Transit durch die Straße von Hormus nicht rasch stabilisiert.
Aus Sicht des Vorstandschefs des Reisekonzerns Tui, Sebastian Ebel, besteht gegenwärtig kein Kerosin-Mangel und damit auch kein Risiko für Flugausfälle in den Sommerferien. Die Situation in Deutschland sei "relativ komfortabel", sagte er im Nachrichtensender Welt TV: "Wir haben sehr hohe Raffinerie-Kapazitäten, die auch im Januar nicht zurückgebaut wurden. Das ist gut und so, dass wir von einer ausreichenden Versorgungssicherheit ausgehen."
Beim Kerosineinkauf gut vorgesorgt
Die Tui habe außerdem beim Kerosineinkauf gut vorgesorgt, was auch für Kostensicherheit sorge. Dank vorher festgelegter Ölkontrakte sehe er keine nennenswerten Auswirkungen für das kurzfristige Geschäft. "Was das langfristig bedeutet, das werden wir sehen." Für den Sommerurlaub müsse sich aus seiner Sicht niemand Sorgen machen. Bei Flugtickets sehe er eine hohe Preisstabilität, die nur normalen Nachfrageschwankungen unterliege.
Unabhängig von der aktuellen Debatte um Kerosin zeigt sich bei vielen Destinationen bereits: Sommerreisen 2026 werden für viele Urlauber teurer - nicht nur wegen Flügen, sondern auch wegen Hotels..