Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Kriegsmonat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein.
Der Iran-Krieg mit dem Ölpreisschock hat die Verbraucherpreise in Deutschland auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren getrieben. Im März lag die Inflationsrate bei 2,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Daten mitteilte. Das ist der höchste Stand seit Januar 2024, als 2,9 Prozent gemessen wurden. Im Februar hatte die Inflationsrate noch 1,9 Prozent betragen.
Der Iran-Krieg habe auf Verbraucherebene vor allem die Heizöl- und Kraftstoffpreise hochschnellen lassen, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter HQ Trust. «Beim Bezug von Strom und Gas werden die Preise mit einer zeitlichen Verzögerung ansteigen.»
Im März verteuerte sich Energie sprunghaft: Hier zogen die Preise laut der Statistiker um 7,2 Prozent zum Vorjahresmonat an. Das sei der erste Anstieg bei Energie seit Dezember 2023. Bei Dienstleistungen, zu denen etwa Restaurantbesuche und Reisen zählen, stiegen die Preise um 3,2 Prozent. Lebensmittel waren 0,9 Prozent teuer als ein Jahr zuvor. Gemessen am Vormonat Februar stiegen die Verbraucherpreise insgesamt um 1,1 Prozent.
Ist das erst der Anfang?
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnt: «Der Anstieg der Inflation im März ist erst der Anfang. Die höheren Energiekosten werden sich in den kommenden Monaten durch die Wertschöpfungsketten fressen, sofern der Krieg nicht rasch endet.»
Vor dem Iran-Krieg rechneten Ökonomen damit, dass die Teuerung in Deutschland dieses Jahr knapp über der Marke von zwei Prozent liegen werde. Das scheint schon nach dem ersten Kriegsmonat Makulatur. Die Deutsche Bank etwa erwartet, dass die Inflation im Jahresschnitt auf 2,7 Prozent klettert. Kurzfristig könnte der Ölpreisschock sogar für noch größere Ausschläge sorgen: Die Bundesbank warnte kürzlich, die Inflationsrate dürfte «in nächster Zeit deutlich in Richtung 3 Prozent ansteigen».
Steigen die Lebensmittelpreise?
Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat die Öl- und Gaspreise stark nach oben getrieben. Der Preis für ein Fass Brent-Rohöl hält sich hartnäckig über der Marke von 100 Dollar. Denn der Iran hat die Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel des globalen Ölverbrauchs transportiert wird, faktisch geschlossen. Hoffnungen, dass der Krieg schnell vorbei sein könnte, haben sich zerschlagen, dafür wachsen die Sorgen um die deutsche Wirtschaft.
Autofahrer spüren die Kämpfe im Nahen Osten an den Tankstellen hierzulande, die Preise je Liter Benzin oder Diesel liegen nun bei mehr als zwei Euro. Auch Gas und Strom haben sich für Neukunden deutlich verteuert.