Hohe Spritpreise: Trifft Wut über "Abzocke" an Tankstellen die Falschen?
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Deutschland, Montag, 09. März 2026
Wütende Kunden, leere Shops: Tankstellenpächter fühlen sich machtlos – und der Frust landet nicht bei den Mineralölkonzernen. Was steckt hinter den Vorwürfen von "Abzocke"?
Die Kritik von Tankstellenbetreibern an den Mineralölkonzernen aufgrund der stark angestiegenen Kraftstoffpreise infolge des Iran-Kriegs reißen nicht ab. "Das ist Raubtierkapitalismus wie im 19. Jahrhundert und hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts zu tun", sagte der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands (TIV), Herbert Rabl.
Er kritisierte in der Stuttgarter Zeitung, dass Rohöl zu einem wesentlich günstigeren Preis eingekauft und verarbeitet worden sei und seitdem teils in Tanks unter den Tankstellen lagere. Nun werde es zu einem viel höheren Preis verkauft – ein Preis, mit dem die Unternehmen ursprünglich nicht kalkuliert hätten. Das sei "Abzocke". Sogar der Preis für E10 hat bereits die 2-Euro-Marke geknackt. Viele Menschen in Franken stellen deshalb die Frage, ob sich ein Tank-Ausflug nach Tschechien lohnt.
Tankstellenpächter entscheiden nicht über Spritpreise
Auf die Preise an der Zapfsäule selbst hätten die Pächter keinen Einfluss, sagte Rabl. Diese würden von den Konzernen gemacht – den Unmut der Autofahrer bekämen dann die Tankstellenpächter und ihre Mitarbeiter zu spüren. Die Mineralölwirtschaft rechtfertige die erhöhten Preise als Vorsichtsmaßnahme. Zudem verweist die Branche auf deutlich gestiegene Einkaufskosten.
Ähnlich hatten sich auch Tankstellenbetreiber in Ostdeutschland geäußert. "Die Kollegen an den Kassen kriegen natürlich schon sehr deutlich den Unmut der Leute mit", hatte Hans-Joachim Rühlemann, Vorsitzender des Verbands des Garagen- und Tankstellengewerbes (VGT) Nord-Ost, gesagt.
Die Mineralölwirtschaft erzielt nach einer Analyse des Ökonomen Johannes Schwanitz erhebliche Zusatzgewinne durch den starken Anstieg der Benzin- und Dieselpreise an deutschen Tankstellen, wie der Spiegel schreibt. Demnach sind die jüngsten Preissteigerungen an deutschen Zapfsäulen weitaus stärker, als es die höheren Einkaufskosten für Rohöl rechtfertigten.
Mineralölkonzerne weiten Gewinnmargen laut Ökonom stark aus
"Die Mineralölwirtschaft nutzt diese Lage, um ihre Gewinnspanne auszuweiten", sagte Schwanitz. Das sei schon in der Energiekrise von 2022 so gewesen. Auch damals, nach Russlands Überfall auf die Ukraine, stiegen die Kraftstoffpreise in Deutschland deutlich – teils stärker als der Rohölpreis.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sagte zu den stark gestiegenen Preisen: "Hier muss Abzocke verhindert werden." Deshalb werde Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nun schnell prüfen, ob man mit dem Kartellrecht gegen die Mineralölkonzerne vorgehen könne, sagte der SPD-Chef dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Es darf nicht sein, dass die Mineralölkonzerne die Krise ausnutzen und daraus Profit schlagen."