Hohe Spritpreise: Konsequenzen in EU-Ländern - bald auch Deutschland?
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Berlin, Mittwoch, 08. April 2026
Die Waffenruhe im Iran-Konflikt lässt Öl- und Gaspreise deutlich fallen. Doch an den Märkten bleibt die Unsicherheit hoch - mit Folgen für die Autofahrer?
Angesichts der aktuellen Energiekrise infolge des Iran-Kriegs lädt Vizekanzler Lars Klingbeil Vertreter der Wirtschaft und Gewerkschaften zu einem Energiepreis-Krisengipfel am Freitag (10. April 2026) ein. Es würden Maßnahmen geprüft, wie Verbraucher möglichst zielgenau entlastet werden können, hieß es.
Der SPD-Vorsitzende hatte beispielsweise eine Entlastung durch eine Mobilitätsprämie vorgeschlagen und deren Finanzierung durch eine Übergewinnsteuer. Zudem setzt er sich für einen flexiblen Preisdeckel für Kraftstoff ein. Unionsfraktionsvize Sepp Müller sagte, die Situation sei komplex und volatil und biete keinen Anlass für vorschnelle Kurskorrekturen. Ein Waffenstillstand sei noch kein tragfähiger Frieden. Die vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg sorgte bei den Anlegern weltweit für enorme Erleichterung.
Waffenruhe drückt Ölpreise – Trendwende bei Sprit in Sicht
Ein einzelner Zwischenfall wie etwa ein Angriff auf einen Tanker könne genügen, um die mühsam erreichte Stabilität zu kippen, sagte Müller. Beim Ölpreis seien jederzeit Ausschläge nach oben möglich. Außerdem seien die Bedingungen für die Passage durch die Straße von Hormus noch völlig unklar. DIW-Chef Marcel Fratzscher spricht sich für eine Energiekostenpauschale aus.
Bei den Spritpreisen deutete sich eine Wende an. Zwar steigerten die meisten Tankstellen in Deutschland am Mittwochmittag (8. April 2026) ihre Preise erneut. So verteuerte sich im bundesweiten Durchschnitt Superbenzin der Sorte E10 zwischen 11.45 Uhr und 12.15 Uhr um 5,7 Cent pro Liter, Diesel um 5,3 Cent, wie der ADAC mitteilte. Die Durchschnittspreise waren jedoch nach der Erhöhung niedriger als am Vortag zur gleichen Uhrzeit - bei E10 um knapp 3 Cent, bei Diesel sogar um gut 3 Cent. Der Rückgang der Ölpreise führte hier offenbar zu einem moderateren Anstieg als an den Tagen zuvor.
Kurz nach Mittag kostete ein Liter E10 im Schnitt 2,208 Euro, ein Liter Diesel 2,471 Euro, nachdem die Preise zuvor über Ostern ein Rekordhoch erreicht hatten. Der Anstieg am Mittag war der bisher geringste seit Einführung der 12-Uhr-Regel. Sie besagt, dass Tankstellen nur noch einmal am Tag die Preise anheben dürfen. Preissenkungen sind jederzeit möglich.
Wie geht es mit den Spritpreisen weiter?
Der ADAC fordert, dass der gesunkene Ölpreis "zügig an die Verbraucher weitergegeben werden" muss. Das Bundeskartellamt hat in der Vergangenheit jedoch beobachtet, dass Kostensteigerungen schnell im Preis sichtbar werden, sinkende Kosten jedoch nur langsam. Auch ein Sprecher der Bundesregierung sagte, dass es dauern werde, "bis deutliche Preissenkungen in Deutschland ankämen".
Der SPD-Fraktionsvize Armand Zorn betonte, die Mineralölwirtschaft habe versichert, "dass Preissenkungen genauso schnell weitergegeben werden wie Preissteigerungen, da der Wiederbeschaffungspreis ausschlaggebend sei. Wir werden sie an dieser Aussage messen."