Im Nordwesten Afrikas, auf der Seegrenze zwischen Mauretanien und Senegal, geht gerade das von BP und Kosmos Energy betriebene Greater Tortue Ahmeyim (GTA) Offshore-Flüssigerdgasprojekt in die Produktionsphase von bis zu 10 Millionen Tonnen LNG pro Jahr. Schwimmende LNG-Anlagen ermöglichen schnellen Einsatz und flexible Lieferung. Der Standort Westafrika bietet zudem kurze Transportzeiten nach Europa im Vergleich zu den USA.
Auch LNG-Projekte in Angola, der Republik Kongo, Kamerun, Gabun und Äquatorialguinea gewinnen für Europa zunehmend an Bedeutung, sagt Pranav Joshi, ein Analyst des Dienstleisters Rystad Energy.
Wie groß ist das Wachstumspotenzial von Afrikas LNG-Markt?
Afrika verfügt aktuell über 8 bis 10 Prozent der weltweit nachgewiesenen Gasreserven. «Da Erdgas auf dem Kontinent bislang nur unzureichend erkundet wurde, könnte dieser Anteil deutlich höher liegen. Es besteht eine realistische Chance, dass er doppelt so hoch ist», sagt Naidoo. «Afrika verfügt über mehr Potenzial als fast jeder andere Ort auf der Welt.»
Laut dem Forum Gas Exportierender Länder (GECF) könnte Afrika bis 2050 zudem fast ein Viertel der weltweiten Investitionen für den Bau von LNG-Verflüssigungsanlagen auf sich ziehen.
Welche Vorteile bieten Flüssigerdgas-Exporte aus Afrika?
Afrikanisches LNG bietet Europa Experten zufolge einige wesentliche Vorteile. Aufgrund der geografischen Nähe bedeuten kürzere Transportwege eine schnellere Lieferung im Vergleich zu Lieferanten aus den USA oder Nahost, sagt Harrison. Schwimmende LNG-Anlagen, wie beispielsweise in Senegal/Mauretanien oder im Kongo, ermöglichen schnellen Einsatz und eine flexible Lieferung.
Obwohl die Produktionsvolumen vergleichsweise gering sind, böten diese laut Harrison stabilen und schnellen Zugang zu zusätzlichen Kapazitäten, um saisonale Nachfrageschwankungen auszugleichen oder Versorgungsengpässe abzufedern.
Was für Risiken birgt der afrikanische LNG-Markt?
Trotz des enormen Potenzials steht Afrika vor erheblichen Herausforderungen. Der Kontinent kämpft laut Naidoo mit unterentwickelter Infrastruktur wie fehlenden Pipelines, Verflüssigungsanlagen und Exportterminals, die den Ausbau von LNG-Exporten aktuell noch stark behindern. Großprojekte in Mosambik und Tansania erfahren aufgrund von Sicherheits- und Logistikproblemen immer wieder Verzögerungen. In Nigerias Nigerdelta führen Unruhen und Sabotage regelmäßig zu Unterbrechungen der Produktion.
Zudem sind viele potenzielle Lieferländer von politischer Instabilität, regulatorischen Unsicherheiten und Korruption geprägt. Afrikanische LNG-Projekte seien besonders anfällig für wirtschaftliche Schwankungen und Finanzierungsprobleme, so Naidoo.