Ob sich der Aufwand lohnt, lasse sich auf zwei Wegen messen: Einerseits durch klassische Marketingkennzahlen. Denn mit den Daten der Teilnehmer kann ein Unternehmen Kunden besser und gezielter ansprechen. Ob jemand im Anschluss auf eine Anzeige klickt, etwas dadurch kauft oder einen Vertrag abschließt, ist messbar. Andererseits durch Befragungen, die zeigen, ob sich Markensympathie und -vertrauen im Vergleich zu vorher verändert haben.
Sportfachhandel setzt auf Original-Trikots
Der Sportfachhandel beobachtet die Gratis-Aktionen mit gemischten Gefühlen. Intersport-Deutschlandchef Alexander von Preen betont, sein Verbund stehe für Qualität und verkaufe ausschließlich Original-Trikots. «Selbstverständlich lebt Sport vom Wettbewerb und Wettbewerb belebt das Geschäft», sagte von Preen. «Gratisprodukte in entsprechender Anmutung von sportfremden Unternehmen haben jedoch mit den Originalen nichts zu tun.»
Zur Heim-EM 2024 hatten allein die Intersport-Händler fast 500.000 Trikots verkauft. Zuletzt rechnete der Manager damit, diese Zahl bei der WM übertreffen zu können - vorausgesetzt, die DFB-Elf spielt ein erfolgreiches Turnier. Vor allem das blaue Auswärtstrikot wird ihm zufolge sehr gut angenommen. Von Preen ist davon überzeugt, dass die WM-Produkte von Adidas wieder Kultstatus erreichen können – ähnlich wie das pinke Auswärtstrikot vor zwei Jahren.
Billigere Original-Trikots gefordert
Die Originale haben aber ihren Preis. Die Preise für Erwachsenentrikots beginnen bei 100 Euro, ein Kindertrikot kostet mindestens 75 Euro. Unionspolitiker forderten Adidas am Wochenende auf, zumindest die Kindertrikots günstiger anzubieten. Stephan Mayer, sportpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, sagte der «Rheinischen Post», 75 Euro für ein Kindertrikot seien für viele Familien «eine enorme finanzielle Herausforderung». «Gerade hier würde ich mir wünschen, dass Adidas eine Möglichkeit findet, zumindest diese Trikots deutlich günstiger anzubieten.»
Adidas verteidigte seine Preisgestaltung. «Der Preis der Trikots spiegelt den hohen Entwicklungsaufwand, die umfassenden Testverfahren, die verarbeiteten hochwertigen Materialien und auch die Lizenzgebühren an den DFB wider», teilte das Unternehmen mit. «Wir wissen, dass ein solches Trikot eine bedeutsame Anschaffung darstellt, und bieten daher eine Auswahl an Fan-Versionen zu verschiedenen Preispunkten an.»
Sportausschuss-Vize: Fans nicht entfremden
Der Vize-Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Jens Lehmann, verwies auf die hohe Nachfrage bei den Trikots. «Solange sich daran nichts ändert, wird es vermutlich auch kein Umdenken bei den Herstellern geben», sagte der CDU-Politiker der Zeitung. Am Ende müssten «DFB und Hersteller selbst darauf achten, ihre Fans nicht durch eine überzogene Preispolitik zu entfremden», sagte Lehmann.
Die WM-Trikots sind die vorerst letzten von Adidas für die Nationalmannschaft. Denn der Ausrüstervertrag zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem Hersteller endet nach mehr als 70 Jahren. Ab 2027 übernimmt der US-Sportartikelhersteller Nike die Ausrüstung der deutschen Elf.