Warum werden mehr Eier gegessen?
Der Leiter des BZL, Josef Goos, sieht mehrere Gründe für die Entwicklung. «Eier stellen eine kostengünstige Quelle für hochwertiges Eiweiß dar.» Ein weiterer Grund könne der Trend zu vegetarischer Ernährung oder Low Carb sein. Goos bezeichnet die aktuelle Marktlage als schwierig und angespannt. «Auf der einen Seite haben wir eine erneut gestiegene Nachfrage nach Eiern. Auf der anderen Seite sehen wir sinkende Tierbestände», sagte der Experte. Als Ursachen nannte er die Vogelgrippe, die neu aufgetretene Krankheit Newcastle Disease sowie den Rückbau der Kleingruppenhaltung.
Was hat es mit der Krankheit Newcastle Disease auf sich?
Im Februar kam es in Brandenburg und Bayern zu mehreren Ausbrüchen der hochansteckenden Krankheit. Die Seuche trat hierzulande zuletzt vor rund 30 Jahren auf. Die Forscher schätzen die Gefährdungslage für Geflügel- und andere Vogelarten als erheblich ein. Betroffen sind vor allem Hühner und Puten, aber auch andere Vogelarten können das Virus in sich tragen, verbreiten und selbst erkranken. Für Verbraucher ist die Krankheit nicht gefährlich.
Das Virus wird laut Friedrich-Loeffler-Institut über die Körpersekrete und den Kot erkrankter Tiere ausgeschieden. Betroffene Tierbestände müssen sofort getötet werden. Vögel, Fleisch von Geflügel und Eier dürfen innerhalb der eingerichteten Sperrzonen nicht aus dem Bestand heraus gebracht werden. In Brandenburg mussten bis zur vierten März-Woche rund 2,1 Millionen Tiere getötet werden. Für die Krankheit gibt es eine Impfpflicht. Eine Infektion ist trotz Impfung möglich, geimpfte Tiere sind allerdings schwerer zu infizieren.
Nach Angaben des Bundesverbands Ei, der die Eierwirtschaft in Deutschland vertritt, sind die Folgen von Newcastle Disease und Vogelgrippe deutlich spürbar. Durch die Seuchen habe man hierzulande bisher ungefähr vier Prozent der Legehennen verloren, sagte Verbandschef Hans-Peter Goldnick. Das sei angesichts der hohen Nachrage eine entscheidende Größe.
Kann Deutschland seinen Eierbedarf decken?
Nein. Insgesamt wurden vergangenes Jahr 15,3 Milliarden Konsumeier erzeugt, etwas mehr als 2024 (15,2 Milliarden). Der Inlandsbedarf konnte damit nur zu 72 Prozent mit heimischer Ware gedeckt werden. Der Selbstversorgungsgrad ging bereits das vierte Jahr in Folge zurück. Um die hohe Nachfrage zu bedienen, muss Deutschland mehr als ein Viertel des Bedarfs importieren. Wichtigstes Lieferland für Schaleneier sind die Niederlande mit einem Anteil von 69 Prozent, gefolgt von Polen mit knapp 16 Prozent.
Wie entwickeln sich die Preise?
Verbraucher in Deutschland mussten für Eier zuletzt - wie für viele andere Lebensmittel auch - deutlich mehr bezahlen: Im Februar waren Eier nach Angaben des Statistischem Bundesamts im Schnitt 14,5 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Auch die Großmarktpreise liegen dem Informationsdienst Marktinfo Eier und Geflügel (MEG) zufolge auf einem sehr hohen Niveau.
Die jüngste Knappheit dürften die Kunden von Discountern und Supermärkten aber nicht unmittelbar im Geldbeutel spüren. Der Lebensmitteleinzelhandel habe feste Jahresverträge mit den Produzenten, sagte MEG-Expertin Margit Beck. Es gebe keine Veranlassung, vor Ostern an der Preisschraube zu drehen.
Auch Eier-Verbandschefs Goldnick rechnete nicht damit, dass der derzeitige Engpass kurzfristig zu weiteren Preiserhöhungen führen wird. Im Spätsommer verhandeln Produzenten und Lebensmittelhandel demnach aber über neue Lieferverträge. Goldnick ging davon aus, dass angesichts der Lage viele dort auch höhere Preise einfordern werden.