Gen-Z-Sprecher: Nur der erste Schritt
Vor den abendlichen Ereignissen hatte die Initiative «Gen Z regelt» ein positives Fazit der Jugendproteste am Nachmittag gezogen. «Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert ist, darauf hatten wir keinen Einfluss», sagte ein Sprecher vom Presseteam, der öffentlich nur unter seinem Vornamen Amadeo auftreten will. «Heute haben hunderttausend Menschen gezeigt, wofür sie auf die Straße gehen», sagte Amadeo der Deutschen Presse-Agentur.
Zugleich betonte er, dass seine Initiative in drei Wochen wieder viele junge Menschen für Aktionen mobilisieren wolle. «Für uns ist das nur der erste Schritt. Wir wollen uns an den europaweiten Protesten am 20. November beteiligen.»
Polizeigewerkschaft zieht gemischte Bilanz
Die vorläufige Bilanz der Gewerkschaft der Polizei fiel vor den schweren Ausschreitungen in Frankfurt und Köln gemischt aus. Der Vorsitzende für den Bereich Bundespolizei, Andreas Roßkopf, sagte der «Rheinischen Post» (online): «Die Proteste der Gen Z haben sich als sehr friedlich rausgestellt.» Nach dem Ende der eigentlichen Veranstaltungen habe sich die Lage jedoch in einigen Städten zugespitzt.
Bei den Gruppen, von denen die Gewalt ausgegangen sei, habe es sich um «autonome und zum Teil vermummte Personen» gehandelt. Wo nötig, habe die Polizei sehr konsequent und auch massiv eingegriffen. «Die Einsatzkräfte bleiben nun in absoluter Bereitschaft, um eventuell weitere Ausschreitungen auch in den späten Abend- oder Nachtstunden zu verhindern», sagte er.
Aufruf zu Demos in mehr als 30 deutschen Städten
Die Initiative «Gen Z regelt» hatte zu friedlichen Demonstrationen in mehr als 30 deutschen Städten aufgerufen. Sie fordert mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, für soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz. Die Einführung einer Wehrpflicht lehnt sie ab, ebenso einen Ausbau staatlicher Überwachung.
Kurz vor 20.00 Uhr nannte der Sprecher vom Presseteam der Initiative «Gen Z regelt» eine Teilnehmerzahl von mehr als 100.000, die Zahlen von sechs bis acht Städten würden noch fehlen. Bundesweite Zahlen der Polizei lagen zunächst nicht vor, in einigen Städten fielen sie aber niedriger aus als die Angaben der Veranstalter.
Steinwürfe und Pyrotechnik - Polizei stoppt Demo in Berlin
In Berlin stand der Protestzug im Kontext mit den bundesweiten Jugendprotesten, war aber nicht Teil der bundesweiten Demos der Initiative «Gen Z regelt». Bei deren Veranstaltung am Brandenburger Tor hatten am Nachmittag Tausende Menschen friedlich demonstriert. Rund 700 Menschen versammelten sich dann am frühen Abend am Rosenthaler Platz und starteten einen Protestzug. Dieser wurde von der Polizei vorzeitig beendet.
Demonstranten in Hamburg zünden Barrikaden an
In Hamburg geriet die Lage nach einem weitgehend störungsfreien Verlauf gegen Abend in der Nähe des Hauptbahnhofes teils aus dem Ruder. So zündeten gegen Ende der Demonstration schwarz gekleidete und teils vermummte Menschen mehrfach Pyrotechnik, rissen Baustellenabsperrungen aus ihren Verankerungen und steckten diese in Brand.