FDP-Doppelspitze kam ins Gespräch
Ursprünglich war es den Dürr-Kritikern wie der Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, dem NRW-Landesvorsitzenden Henning Höne und dem Chef der Jungen Liberalen, Finn Flebbe, darum gegangen, einen personellen Neuanfang an der Parteispitze ohne Dürr und Büttner zu vollziehen. Strack-Zimmermann erklärte nach dpa-Informationen in der Sitzung des Präsidiums am Vormittag ihre Bereitschaft, für den Bundesvorsitz zu kandidieren – aufgrund ihrer beruflichen Verpflichtungen allerdings nur in einer Doppelspitze.
Als möglicher Co-Vorsitzender war schon zuvor Höne im Gespräch gewesen. Ein Duo aus einem alten Haudegen und einer neuen Kraft – so wurden in Parteikreisen die Vorzüge dieser Kombination beschrieben. Für Höne spräche zudem, dass er nicht durch die gescheiterte Ampel-Koalition im Bund belastet ist. Gegen ihn wird allerdings vorgebracht, dass er bundesweit völlig unbekannt ist.
Der FDP droht eine zweimonatige Hängepartie
Die Variante einer Doppelspitze ist nun erst einmal in die Ferne gerückt. Ganz passé muss sie aber nicht sein. Denn es ist völlig offen, ob Dürr beim Parteitag wiedergewählt wird. Der FDP droht bis dahin eine zweimonatige Hängepartie, in der sich die Kritiker regelmäßig zu Wort melden dürften.
So bekräftigte Strack-Zimmermann nach der Sitzung des Bundesvorstandes: «Die FDP muss sich endlich vom Trauma der Bundestagswahl lösen, und zwar personell, inhaltlich und organisatorisch. Dieser Zustand lähmt uns bis heute.» Es gehe jetzt um eine Neuaufstellung mit positiven Antworten und dem Willen, politische Relevanz zu gewinnen. «Hier werde ich mich einbringen.»
Dem «Tagesspiegel» sagte sie, dass sie als Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im Europäischen Parlament sehr viel zu tun habe. Sie sei aber bereit, sich - «sofern die Partei es wünscht – in einer Doppelspitze einzubringen».
Zyon Braun, FDP-Landeschef in Brandenburg, sagte unumwunden: «Die Freien Demokraten brauchen einen personellen Wechsel an der Spitze.» Die amtierende Bundesführung habe Zeit gehabt, Orientierung zu geben und zu überzeugen. «Wir müssen jedoch sachlich feststellen, dass dies nicht gelungen ist.»
Nächste Herausforderungen warten schon im September
Die nächsten Herausforderungen stehen der FDP bereits im September bevor. Zunächst wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Dort sitzt die FDP sogar noch mit in der Landesregierung. Darauf folgen die Wahlen in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern. Und nach den Umfragen werden die Liberalen in allen drei Wahlen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Sie säßen dann nur noch in vier der sechzehn Landtage.
Im Frühjahr kommenden Jahres folgen dann Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und in Schleswig-Holstein. Sollte die FDP bis dahin nicht in die Erfolgsspur zurückfinden, sähe es ganz bitter für sie aus.