Heil wirbt für einheitliche Standards
Heil hielt dem entgegen, einheitliche Standards seien im Interesse der im Wettbewerb stehenden deutschen Unternehmen. «Sie ist aber auch im Interesse unserer Werte und Menschenrechte.» Kinder- und Zwangsarbeit würden bekämpft. Mit seinen neuen Vorschlägen wolle er nun «Brücken bauen» und bürokratische Lasten abbauen. Heil schlug deutsche Regelungen für den Fall einer Umsetzung des geplanten EU-Gesetzes vor.
Mit seinen Vorschlägen will Heil die deutsche Lieferkettenregulierung ändern. So sollen die jährlichen Berichtspflichten der Unternehmen durch das deutsche Lieferkettengesetz ausgesetzt werden. Betroffenen sind laut Heils Eckpunkten rund 3000 Unternehmen. Heute müssen die Firmen regelmäßig über die Erfüllung ihrer Sorgfaltspflichten gegen Kinderarbeit und für Menschenrechte einen Bericht veröffentlichen, der vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle überprüft wird.
Stärker berücksichtigt werden soll zudem, wenn es in einem Land, in dem etwa Produkte für den deutschen Markt hergestellt werden, ein niedrigeres Niveau von Rechtsdurchsetzung herrscht. Mehr Raum soll es für Initiativen ganzer Branchen geben, die einzelne Unternehmen entlasten können.
Grüne unterstützen Heil, Wirtschaftsverbände die FDP
Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge lobte die Vorschläge von Heil. «Damit geht er auf Bedenken der FDP ein. Damit sollte Deutschland nun aber auch dem europäischen Lieferkettengesetz zustimmen.» Es gehe um europapolitische Zuverlässigkeit Deutschlands. Die Abstimmung stehe am Ende eines langen Verhandlungsprozesses.
Die Grünen-Verhandlungsführerin im Handelsausschuss des Europaparlaments, Anna Cavazzini, mahnte: «Mit der plötzlichen Vollbremsung auf den letzten Metern würde die FDP dem Ansehen Deutschlands auf europäischer Ebene schaden.» Bereits beim Streit um ein Aus für Neuwagen mit Verbrennungsmotor hatte Deutschland - vor allem auf Drängen der FDP - Nachforderungen gestellt.
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger dagegen nannte die von der FDP angekündigte Enthaltung Deutschlands «eine gute Nachricht für unseren Wirtschaftsstandort und seine Unternehmen». BDI-Präsident Siegfried Russwurm sagte: «Es ist gut, dass dieser Irrweg von Berlin nicht unterstützt wird und somit einer abermaligen Ausweitung von Bürokratie und verwaltungsintensiven Berichtspflichten der Unternehmen ein Riegel vorgeschoben wird.» Mehrere Spitzenverbände hatte in einem Brief an Kanzler Olaf Scholz (SPD) gefordert, die Zustimmung zum neuen EU-Lieferkettengesetz zu verweigern. Die evangelische und die katholische Kirche hatten die Bundesregierung zur Zustimmung aufgefordert.
Der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Tim-Oliver Müller, sagte, für den Bau wäre die in der EU geplante Einstufung als Hochrisikosektor schmerzhaft. Linke-Chef Martin Schirdewan forderte Scholz hingegen zu einem Machtwort für das EU-Lieferkettengesetz auf.
Deutsche Enthaltung lässt Mehrheit wackeln
Ein EU-Diplomat sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass mit einer Enthaltung Deutschlands unklar sei, ob es unter den EU-Ländern jetzt noch eine ausreichende Mehrheit für das Vorhaben geben wird. Es gibt etwa Spekulationen, dass sich andere Länder an der Entscheidung Deutschlands orientieren und dem Vorhaben nun ebenfalls nicht zustimmen. Damit steht eines der Leuchtturmprojekte der EU-Handelspolitik auf der Kippe. Nach Angaben eines weiteren EU-Diplomaten wird die belgische Ratspräsidentschaft das Vorhaben weiter vorantreiben. Es werde an einer Einigung gearbeitet, hieß es.