Es war ein Wunschprojekt der Bundesregierung: günstigerer Strom für Unternehmen dank staatlicher Zuschüsse. Nun gibt die EU-Kommission grünes Licht. Wer davon profitiert.
Für die deutsche Industrie ist der lang erwartete Industriestrompreis in Reichweite. Die EU-Kommission erlaubt der Bundesregierung, die Industrie mit einem vergünstigten Strompreis zu unterstützen, und zwar in einem Umfang von 3,8 Milliarden Euro, wie die Brüsseler Behörde mitteilte.
Von Chemie bis Zement: Wer profitieren soll
Damit sei «der Knoten durchschlagen», jubelte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die von einem Signal für mehr Wettbewerbsfähigkeit und die Stärkung des Industriestandorts Deutschland sprach. «Die Lage der Industrie ist, gelinde gesagt, in einigen Teilen dramatisch», merkte die CDU-Politikerin an.
Gedacht ist die Unterstützung laut Wirtschaftsministerium für rund 9.500 strom- und handelsintensive Unternehmen aus besonders energiehungrigen Branchen wie Chemie, Gummi- und Kunststoffwaren, Glas, Zement oder Halbleiterfertigung. Sie sollen so viel Förderung erhalten, dass sie am Ende noch 5 Cent pro Kilowattstunde zahlen - gemessen am Großhandelsstrompreis. Weitere Bereiche sollen möglicherweise später noch in die Förderung einbezogen werden.
Mit wie viel Geld der Bund den Unternehmen aushilft, konnte Reiche noch nicht sagen. Das hänge davon ab, wie viele das Angebot nutzten. Sie rechne mit einem niedrigen einstelligen Milliardenbetrag.
Hälfte der Beihilfen muss investiert werden
Die Maßnahmen stünden dabei Unternehmen aus Branchen offen, die ihren Standort potenziell in Drittstaaten mit weniger Umweltauflagen verlegen könnten, erläuterte die EU-Kommission.
Unternehmen können die Beihilfen laut Mitteilung nach Ablauf jedes Jahres beantragen, sobald der Stromverbrauch und der durchschnittliche Großhandelspreis bekannt ist. Die begünstigten Firmen müssen demnach mindestens die Hälfte der erhaltenen Unterstützung in neue oder modernisierte Anlagen investieren, um die Stromkosten zu senken. Die Hälfte des Stromverbrauchs einer Produktionsstätte kommt für die staatliche Beihilfe in Frage. Unternehmen können erstmals Anfang kommenden Jahres für 2026 rückwirkend Unterstützung beantragen.
Chemieindustrie enttäuscht
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) reagierte verhalten positiv auf die Entscheidung, die aus seiner Sicht in die richtige Richtung geht. «Jetzt kommt es darauf an, die angekündigten Anpassungen kraftvoll, vorausschauend und mit Blick auf die Details umzusetzen, damit die Industrie wieder eine planbare und wettbewerbsfähige Perspektive erhält», erklärte der Verband.