Eiscafé in Rottenburg wirbt mit Eissorte "Hausgrille" und belohnt mutige Probierende: "Kopfsache"
Autor: Melina Mark
Rottenburg am Neckar, Donnerstag, 02. März 2023
Insekten in Lebensmittel ist zurzeit ein Trend. Das hat eine neue Verordnung der EU ermöglicht. Eine Eisdiele treibt es bis auf die Spitze und bietet mutigen Probierenden ein Insekten-Eis an - wohl als erste in ganz Deutschland.
Die Verordnung der EU, dass nun Insekten zu Lebensmittel verarbeitet werden dürfen, hat einiges losgetreten. Viele Leute fürchten sich vor versteckten Insekten in alltäglichen Lebensmitteln und beim Bäcker. Auf der anderen Seite nutzen Lebensmittelhersteller und Bäcker genau diese Verordnung aus. So auch eine Eisdiele in Rottenburg (Kreis Tübingen, Baden-Württemberg).
Das "Eiscafé by Rino" aus Rottenburg am Neckar bietet "Hausgrille" als Eissorte an. Auf einem Foto bei Instagram zeigt sich Inhaber Thomas Micolino mit einer Kufte davon - dekoriert mit knusprigen Hausgrillen. "Milchspeiseeis aus Grillenmehl, Sahne, Vanilleextrakt, Cookies und Honig für einen überraschend leckeren Geschmack", wirbt Micolino auf seinem Bild-Beitrag, "Wir nehmen die Herausforderung an... Sind wir echt bereit für das sogenannte Essen der Zukunft? Kommt vorbei und lasst euch überraschen."
Jetzt auch im Dessert: Erste Eisdiele bietet Insektenmehl-Eiscreme an
Ganz unterschiedlich fallen die Reaktionen auf diese Ankündigung aus: Von Ekel bis Hochachtung ist alles dabei. Eigentlich sollte die Produktion der Sorte eher weniger überraschen, denn das Eiscafé Rino kreierte bereits in der Vergangenheit ungewöhnliche Eissorten. Der Inhaber habe laut dpa schon Eiscreme aus Gorgonzola gefertigt, aus Leberwurst und mit 24-karätigem Gold. Eine fränkische Bäckerei hat aufgrund der EU-Verordnung bereits Krapfen aus Insektenmehl hergestellt.
Das verarbeitete Hausgrillenmehl sollte so verarbeitet werden, dass man beim Genießen des Eises keinen Beigeschmack nach Insekt bemerkt. Allen Kund*innen, die mutig genug sind, das Hausgrillen-Eis zu testen, spendiert der Inhaber eine weitere Kugel Eis nach Wahl als Belohnung.
Um ängstlichen Besuchern die Angst zu nehmen, stellte der Inhaber zudem in den sozialen Medien klar: Die Grillen und das verwendete Mehl stamme aus einer deutschen Speiseinsektenzucht, die auf Antibiotika, Pestizide und Hormone verzichtet. Die Insekten seien mikrobiologisch untersucht und auf rein pflanzlicher Basis gezüchtet worden.
Soll nicht nach Insekt schmecken: Milchspeiseeis mit Heimchen
Monatelang hat er in seiner kleinen Eisfabrik im Hinterzimmer herumprobiert, an der richtigen Komposition mit dem Krabbeltier gearbeitet, den Geschmack verfeinert. Er kocht das Pulver extra nochmal ab bei 90 Grad. Um vier Kilo Eis herzustellen, braucht er 200 Gramm Heimchen-Mehl, dazu unter anderem Sahne, Zucker, Milch, Vanille, Cookies und Wildhonig aus dem Schwarzwald.
Zudem werde das Eis der Eisdiele mehrmals jährlich durch die Lebensmittelüberwachung des Landratsamtes Tübingen und das BAV Institut untersucht. Die Herstellung des Grillen-Eises laufe getrennt von der Produktion der übrigen Eissorten ab. In der Eistheke werden getrennte Behältnisse und ein separater Eiscreme-Portionierer verwendet.