Die Bundesregierung will massiv gegen E-Zigaretten vorgehen - mit breiten Aromastoffverboten. Suchtforscher halten das für unwissenschaftlich - und gefährlich.
Deutschlands bislang florierende E-Zigaretten-Branche sieht sich nach eigener Einschätzung einem drastischen Einbruch gegenüber. Der Grund dafür sind Pläne der Bundesregierung, 13 Inhaltsstoffe zu verbieten, darunter Menthol. "Ohne diese Inhaltsstoffe wird Vaping vielen Konsumenten nicht mehr schmecken - die Nachfrage nach legalen Produkten würde einbrechen", sagt der Vorsitzende des Verbands Bündnis für tabakfreien Genuss (BfTG), Dustin Dahlmann.
Er befürchtet zudem Engpässe in der Lieferung, wenn das geplante Verkaufsverbot bereits sechs Monate nach Verkündung greift und die Unternehmen dadurch zu wenig Zeit hätten, ihre Produktpalette anzupassen. "Die Verkaufsregale wären leer, der legale Markt würde brachliegen, und der Schwarzmarkt würde boomen." Auch bei der Vaping-Marke Elfbar wird der Vorstoß kritisch gesehen. "Wir bräuchten mehr Zeit für den Übergang", sagt Kommunikationsdirektor Jacques Li und warnt ebenfalls vor einer Zunahme des Schwarzmarkts. Seine Firma passe ihre Rezepturen ohnehin schon an, auch ohne Inhaltsstoffe-Verbot.
Hersteller alarmiert: 90 Prozent aller Liquids betroffen - 10.000 Arbeitsplätze in Gefahr
E-Zigaretten oder Vapes (vom englischen Begriff Vaporizer, auf deutsch: Verdampfer) sind elektronische Zigaretten, die mit einer Flüssigkeit gefüllt sind. Dieses Liquid wird über ein batteriebetriebenes Heizelement erhitzt, verdampft und inhaliert. Der Vaping-Markt boomt, laut BfTG lag der Umsatz in Deutschland 2025 bei 2,4 Milliarden Euro, was einem Plus von 25 Prozent entsprach. Die Politik verfolgt die Entwicklung mit Argusaugen. Im Januar legte das Bundesernährungsministerium einen Verordnungsentwurf vor, demzufolge zwölf Kühlstoffe (Cooling Agents) und das Süßungsmittel Sucralose künftig nicht mehr verwendet werden dürfen.
Der bekannteste Kühlstoff ist Menthol. "Sie sorgen dafür, dass die separaten Fruchtaromen stärker zur Geltung kommen und frisch und angenehm schmecken - ohne die Cooling Agents würde etwa ein Erdbeergeschmack beim Vaping muffig schmecken", sagt Branchenvertreter Dahlmann. "Nimmt man sie aus der Rezeptur raus, so ist die ganze Rezeptur wertlos - es schmeckt nicht mehr." Allerdings gibt es durchaus Liquids, die besagte 13 Inhaltsstoffe schon jetzt nicht enthalten. Es gibt also Konsumenten, die freiwillig auf die umstrittenen Stoffe verzichten und denen das schmeckt.
Kann die Branche ihr Angebot nicht einfach umstellen, und die Vaper kaufen dann halt die Liquids ohne die Cooling Agents? BfTG-Chef Dahlmann schüttelt den Kopf. "Nur schätzungsweise zehn Prozent der in Deutschland legal verkauften Liquids enthalten die 13 Inhaltsstoffe schon jetzt nicht - das ist eine Nische, die geschmacklich längst nicht zu jedem Vaper passt." Das BfTG führte eine Umfrage unter 432 Vaping-Händlern und -Herstellern in Deutschland durch, die große Sorgen zeigt. Fast 90 Prozent der Firmen befürchten, dass die Konsumenten als Reaktion auf das Inhaltsstoffe-Verbot auf Produkte vom Schwarzmarkt zurückgreifen. Nur 14 Prozent gehen davon aus, dass die Kunden auf andere legale Liquids umsteigen. Zwei Drittel sagen, dass wegen sinkender Nachfrage Personalabbau nötig wäre - von den circa 15.000 Arbeitsplätzen in Deutschlands Vaping-Branche könnten 10.000 wegfallen.
"Tod der E-Zigarette": Wissenschaftler befürchten drastische Folgen
Das Ministerium begründet das Verbotsvorhaben mit Gesundheitsgefahren. Bei mehreren Stoffen wird vor Leber- und Nierenschäden gewarnt; Sucralose zersetze sich bei Erhitzung zu gesundheitsschädlichen Chlorverbindungen, und bei Menthol drohten etwa Leberveränderungen sowie Apathie. Bei seiner Einschätzung stützt sich das Ministerium auf das Bundesamt für Risikobewertung (BfR). Dessen Fachleute weisen darauf hin, dass es zu Missverständnissen kommen könnte. Weil es viele mentholhaltige Arzneimittel auf dem Markt gebe, könnten E-Zigaretten-Nutzer fälschlicherweise davon ausgehen, dass Menthol in Liquids ebenfalls gut für die Gesundheit sei.