Es ist eine strategische Beteiligung: Der Bund übernimmt einen Anteil am Übertragungsnetzbetreiber Tennet Deutschland. Hintergrund ist der Ausbau der Stromnetze.
Der Bund steigt bei Tennet Deutschland ein und sichert sich damit Einfluss auf den Stromnetzbetreiber. Hintergrund ist der weitere Ausbau von Stromnetzen. Über die staatliche Förderbank KfW übernimmt der Bund für rund 3,3 Milliarden Euro 25,1 Prozent des Unternehmens. Das teilte die Tennet Holding in Arnheim in den Niederlanden mit. Die Beteiligung stärke die Kapitalbasis von Tennet Deutschland und schaffe Planungssicherheit für den notwendigen Netzausbau in Deutschland.
«Der Einstieg des Bundes bei Tennet trägt dazu bei, den milliardenschweren Kapitalbedarf in den kommenden Jahren abzusichern», sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Vorausgegangen waren längere Verhandlungen.
Größter Übertragungsnetzbetreiber
Tennet Deutschland ist der größte von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland und betreibt ein rund 14.000 km langes Höchstspannungsstromnetz zwischen Schleswig-Holstein und Bayern. Im Zuge der Energiewende müssen Tausende Kilometer neue Stromleitungen gebaut werden, damit der vor allem im Norden produzierte Windstrom in große Verbrauchszentren im Süden gelangen kann. Dieser Ausbau der Netze kostet viele Milliarden.
Bund an drei Netzbetreibern beteiligt
Wie bei Unternehmensbeteiligungen üblich müssten noch regulatorische Genehmigungen eingeholt werden, um den Erwerb der Anteile an Tennet Deutschland vollziehen zu können, so das Wirtschaftsministerium. Mit diesem Schritt werde derzeit spätestens im dritten Quartal 2026 gerechnet.
Der Bund ist über die Förderbank KfW bereits mit 20 Prozent am Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz beteiligt. Der Bund war zudem über die KfW mit 24,95 Prozent beim Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW eingestiegen.
Vetorechte
Aus Kreisen des Wirtschaftsministeriums hieß es, mit einem Anteil von 25,1 Prozent sei der Bund in der Lage, seine Interessen «angemessen» wahrzunehmen und einen Beitrag zum bedarfsgerechten Netzausbau zu leisten. Außerdem gehe es darum, die Investitionsfähigkeit von Tennet Deutschland sicherzustellen.
Aus Ministeriumskreisen hieß es, der Bund beziehungsweise die KfW erhalte Veto-Rechte für weitreichende Entscheidungen - etwa in Bezug auf die Finanzpolitik, den Geschäftsplan oder die Bestellung und Abberufung der Geschäftsführung. Der Bund bekommt zudem genaue Einblicke über die finanzielle Lage des Unternehmens.