Die deutsche Wirtschaft trotzt den globalen Konflikten und Spannungen. Doch der ersehnte kräftige Aufschwung lässt auf sich warten. Immerhin gibt es Hoffnungsschimmer.
Inmitten aller Krisen zeigt sich die deutsche Wirtschaft mit dem dritten Wachstumsquartal in Folge widerstandsfähig. Trotz der Belastungen durch den Iran-Krieg legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auch im Frühjahr minimal zu: 0,2 Prozent Plus zum Vorquartal errechnete das Statistische Bundesamt für April bis Juni 2026 anhand vorläufiger Daten.
Dass die Wiesbadener Statistiker zugleich den Wert für das erste Quartal von 0,3 Prozent auf 0,4 Prozent nach oben setzten, werten Volkswirte als Signal dafür, dass die Erholung der deutschen Wirtschaft ausgeprägter ist als gedacht. Wie es konjunkturell für Europas größte Volkswirtschaft weitergeht, hängt maßgeblich davon ab, wann der Konflikt zwischen USA und Iran gelöst ist.
«Von selbsttragendem Aufschwung weit entfernt»
Positive Impulse kamen im zweiten Quartal vom Außenhandel: Die Exporte nahmen gegenüber dem Vorquartal zu. Der private Konsum hingegen entwickelte sich verhalten - eine Folge der zwischenzeitlich nach oben geschnellten Teuerung, die die Kaufkraft der Menschen schmälert. Die Investitionen gingen zurück, obwohl der Staat gewaltige Milliardeninvestitionen in Straßen, Schienen und Verteidigung angeschoben hat.
«Das Wachstum von 0,2 Prozent ist ein erfreuliches Signal, aber längst kein Befreiungsschlag», fasst Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), zusammen. «Nur dank massiven, überwiegend mit Krediten finanzierten öffentlichen Investitionen hat die deutsche Wirtschaft den Iran-Schock bisher besser verkraftet als befürchtet. Von einem selbsttragenden Aufschwung sind wir weit entfernt.»
Die fragile Lage am Persischen Golf inklusive heftiger Schwankungen bei den Öl- und Gaspreisen bleibt eine Belastung für die von Rohstoffimporten abhängige deutsche Wirtschaft. «Die heutigen Zahlen unterstreichen, dass die deutsche Wirtschaft derzeit vor allem unter internationalen Spannungen leidet. Umso wichtiger ist es, jetzt die binnenwirtschaftliche Nachfrage zu stabilisieren», analysiert Christian Breuer, Konjunkturexperte des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.
Zunehmend Hoffnungsschimmer
Jüngste Konjunkturdaten nähren die Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft sich weiterhin widerstandsfähig zeigen wird: Die Stimmung in den Unternehmen, die das Ifo-Institut regelmäßig ermittelt, hat sich im Juli den dritten Monat in Folge verbessert. Aus dem Ausland verzeichnete die Industrie nach jüngsten Daten mehr Aufträge für Waren «Made in Germany». Zudem legten die deutschen Exporte im Mai den vierten Monat in Folge zu.