Die Heißluftfritteuse erobert deutsche Küchen. Ist sie ein praktischer Helfer oder doch nur ein Trendobjekt? Ein Experte hat Zweifel am Mehrwert.
Backofen, Kaffeemaschine, Toaster und Mikrowelle haben einen festen Platz in deutschen Küchen. Vielerorts ist inzwischen ein weiteres Gerät hinzugekommen - die Heißluftfritteuse, kurz Airfryer. Laut dem Marktforscher NIQ wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 5,8 Millionen Stück verkauft. 2019 waren es noch 1,3 Millionen.
Der Airfryer - eine Art Mini-Backofen - ist längst vom Nischen- zum Massenphänomen geworden. Obwohl es ihn schon seit den 2000er-Jahren gibt, feierte er seinen Durchbruch erst vor wenigen Jahren. Im Gegensatz zu normalen Fritteusen frittieren die Geräte Fleisch, Fisch oder Gemüse mit heißer Luft statt mit Öl. Airfryer werden von verschiedenen Herstellern angeboten, teils für weniger als 100 Euro. Die kleineren Modelle sind etwa 35 Zentimeter breit und hoch. Bei den meisten werden die Lebensmittel in einen Korb gelegt, der anschließend in das Gerät geschoben wird.
«Airfryer treffen den Zeitgeist: Sie sind schnell, einfach, gesund und energieeffizient – genau das, was viele Verbraucher heute suchen», sagt Alexander Dehmel, Experte für Technikprodukte bei NIQ. Der Markt wachse rasant.
Weniger Fett benötigt
Heißluftfritteusen zählten «definitiv zu den Trendprodukten in unserem Sortiment», sagt eine Sprecherin von MediaMarktSaturn. Das Unternehmen hat 2025 in Deutschland nach eigenen Angaben über 50 Prozent mehr Geräte verkauft als im Vorjahr. Wie weit der Boom geht, zeigt sich jedoch längst nicht nur im Elektronikfachmarkt. In Buchgeschäften sind Airfryer-Kochbücher prominent ausgestellt, beim Onlinehändler Amazon belegen sie Spitzenplätze auf den Bestseller-Listen. Auf Instagram präsentieren Verbraucher ihre Kreationen und schwärmen davon, wie knusprig sie sind.
Zunehmend sichtbar ist das Phänomen auch im Supermarkt. Lebensmittelhändler wie Rewe bieten immer mehr spezielle Airfryer-Produkte an - etwa Tiefkühlgerichte wie Pommes, Kartoffeln, Backmischungen, Gewürze oder Zubehör wie Öl-Sprays und Backpapier-Schalen. Bei anderen Artikeln finden sich Airfryer-Zubereitungshinweise auf der Verpackung.
Der Pasta-Hersteller Barilla wirbt in Anzeigen für seine «jetzt auch für den Airfryer» geeignete Lasagne. Im Fernsehen werden Airfryer-Gewürzmischungen von Maggi und Knorr beworben. Laut dem Marktforschungsunternehmen YouGov beliefen sich die Umsätze mit Airfryer-Produkten in Deutschland im vergangenen Jahr auf etwa 18 Millionen Euro.
«Viele Airfryer werden irgendwann im Keller landen»
«Airfryer profitieren vom anhaltenden Gesundheitstrend. Im Vergleich zur klassischen Fritteuse wird deutlich weniger Fett benötigt – das spart Kalorien, senkt den Anteil gesättigter Fettsäuren und spricht insbesondere ernährungsbewusste Haushalte an», sagt Christoph Lamsfuß vom Handelsforschungsinstitut IFH KÖLN. Franziska Köster vom Bundesverband Technik betont: Airfryer passten «zu einer Lebensrealität, in der viele, vor allem Berufstätige und jüngere Menschen, wenig Zeit haben, aber dennoch selbst kochen möchten».