Das Passionsspieldorf will Theater total

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Schauspieler des Passionstheaters in Oberammergau proben für die Inszenierung der biblischen Geschichte von König David. Foto: dpa-Archiv

Die Bärte sind längst ab - vorbei die langen Tage auf der riesigen Freilichtbühne mit 109 Aufführungen bis in den späten Abend. Doch ausruhen gilt nicht: Jesus & Co. - die Macher der Oberammergauer Passion - schmieden längst neue Pläne. Theater total ist angesagt.

Nach der Passion ist vor der Passion - die alte Weisheit trifft auch auf die Schauspieltruppe um den Oberammergauer Regisseur Christian Stückl zu. Zumindest die Hauptdarsteller der erfolgreichen Passionsspiele 2010 mit 515 000 Zuschauern in 109 Aufführungen denken gar nicht daran, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen. "Wir haben uns einen Namen erarbeitet", sagt Christus-Darsteller Frederik Mayet, "daran müssen wir anknüpfen und unser Theater auch zwischen den Passionsspielen mit Leben erfüllen."

Pferde und Kamele auf der Bühne


Schon im nächsten Jahr wird daher wieder gespielt im Theater mit seinem futuristisch anmutenden fahrbaren Kunststoffdach über der Bühne. Stückl wird eine Bearbeitung des Romans "Joseph und seine Brüder" von Thomas Mann für seine Laiendarsteller inszenieren. Dann stehen wieder Hunderte von Mitwirkenden, aber auch Pferde und Kamele auf der riesigen Freilichtbühne von Oberammergau.
Auch für 2012 und 2013 sind Produktionen "Marke Eigenbau" geplant. Vielleicht schon im Jahr 2015 benennt der Gemeinderat den Spielleiter für die Passion 2020. Es würde im Ort niemanden wundern, wenn die Wahl nach 1990, dem Millenniumsjahr 2000 und 2010 abermals auf Christian Stückl fiele. Das Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi geht auf ein Pestgelübde im Jahr 1633 zurück.
Mayet, der auch Sprecher der Passionsspiele ist, hält sich nicht lange mit der Rückschau auf, nur so viel: "Im Vergleich zu früher ist das internationale Medieninteresse stark gestiegen." Zeitungen wie die "New York Times" hätten sich für die Aufführungen interessiert, Regisseure und Intendanten renommierter Bühnen etwas über das spezielle Flair der Oberammergauer Passion erfahren wollen.
Die Zeit zwischen den Spielen, sozusagen die Olympiade der Passion, soll künftig verstärkt dazu genutzt werden, die Marke "Oberammergau" zu positionieren. Dazu zählen Aufführungen mit dem eigenen Ensemble, zu dem auch Solisten, Chor und Orchester gehören. Zudem will Stückl Ausschau nach jungen Nachwuchstalenten halten. "Gute Schauspieler fallen nicht vom Himmel."

Marke "Passiosspiel"


Bürgermeister Arno Nunn stößt ins selbe Horn. "Wir stehen vor der Entscheidung, die nächsten zehn Jahre allein auf den Tourismus zu setzen oder zusätzlich die Marke ,Passionsspiel' zu präsentieren." Er will das Besondere an Oberammergau erlebbar machen und denkt dabei an eine Dauerausstellung über die Passion zusätzlich zu den schon bestehenden Führungen durchs Theater. Mit modernen Mitteln - multimedial heißt das Zauberwort - will der Rathauschef das spezielle dörfliche Theaterleben zeigen, etwa einzelne Schauspieler porträtieren oder die Tür zu den Garderoben weit aufsperren.
Dabei setzt Nunn auf bewährte Kräfte. "Oberammergau ist Passion und ist Stückl", sagt der Bürgermeister über seinen Spielleiter und Intendanten des Münchner Volkstheaters. Könnte also gut sein, dass der heute 49-Jährige auch 2020 wieder kettenrauchend und gleichzeitig wild gestikulierend Christus & Co. bei den Proben auf der Bühne umherschiebt. Einen Termin dürften sich jedenfalls schon viele in dem 5000-Seelen-Dorf eingeprägt haben: Am Aschermittwoch des Jahres 2019 wird der traditionelle Haar- und Barterlass verkündet. Dann sprießen im Ort wieder die Bärte und wachsen die Haare über die Schultern.