3. Das Hagel-Video
Liegt die Aufholjagd auch an Sprüchen über eine Schülerin mit «rehbraunen Augen»? Anfang der Woche postet eine grüne Bundestagsabgeordnete einen acht Jahre alten Clip in den sozialen Netzwerken, der CDU-Frontmann Hagel bei einem Interview zeigt.
Hagel, damals 29 Jahre alt und Landtagsabgeordneter, berichtet darin von einem Schulbesuch. In der Klasse hätten 80 Prozent Mädchen gesessen. «Also da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen», sagt Hagel. Dann geht er auf eine Schülerin ein: «Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.» Diese Sätze sorgen nun für Wirbel - und heftige Kritik. «Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist», räumte Hagel ein.
Die Umfragen wurden genau in dem Zeitraum erhoben, in dem die Debatte hochkochte. Inwieweit sie sich in den Prozentwerten niederschlägt, ist unklar. Vielleicht kostet sie Hagel aber auch in den nächsten Tagen noch Zustimmung. «Selbst wenn es nicht als schwerwiegender Makel empfunden wird: Es bleibt immer etwas hängen», sagt Politologe Behnke. Die Video-Sache könne die Grünen mobilisieren. CDU-Stammwähler seien dagegen eher fortgeschrittenen Alters und nicht auf diesen Plattformen unterwegs, die würden das nicht so stark wahrnehmen, erklärt Eith.
Auch die in den Umfragen weit abgeschlagene SPD muss mit einem Patzer ihres Spitzenkandidaten Andreas Stoch umgehen. In einem SWR-Porträt ist zu sehen, wie er ausgerechnet nach einem Besuch in einem badischen Tafelladen seinem Fahrer offenbar aufträgt, im benachbarten Frankreich Pastete einzukaufen. Auch wenn es zu dem Einkauf am Ende nie kam, sprach Stoch von einem «Fettnapf» und drückte sein Bedauern aus.
4. Strategisches Wahlverhalten
Experten halten auch strategisches Verhalten linksgerichteter Wähler für eine mögliche Erklärung des Aufwinds der Grünen. Denn die Linke hat verloren und muss mit 5,5 beziehungsweise 6 Prozent um den sicher geglaubten Einzug in den Landtag bangen. Die SPD kommt auf nur noch 7 beziehungsweise 9 Prozent.
Einzige realistische Regierungsoption bleibt aktuell eine Koalition aus Grünen und CDU, wie derzeit unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), der nicht mehr antritt. Das enge Rennen stellt die Machtfrage neu: Wer führt mögliche Gespräche? Wer hat Anspruch auf das Ministerpräsidentenamt? Eine grün geführte Regierung sei aus Sicht mancher SPD-Anhänger immer noch besser als eine CDU-geführte, meint Behnke.
5. Der Motivationsfaktor
Klar ist: Umfragen sind keine Wahlen. Die Fehlertoleranz ist hoch, nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen erschweren den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der Daten.
Auch Behnke sieht Umfragen mit Skepsis. Aber allein die Veröffentlichung der neuen Zahlen werde eine Wirkung entfalten, meint er. «Das mobilisiert die linke Seite besonders stark», sagt er. «Aber es kann auch der CDU nochmal Aufwind geben.» Es bleibt also spannend.