Das Wachstumsziel fällt so niedrig aus wie seit 1991 nicht mehr. Woran das liegt und wo Ministerpräsident Li die größten Herausforderungen sieht.
China hat zum Beginn des Nationalen Volkskongresses das niedrigste Wachstumsziel für seine Wirtschaft seit Jahrzehnten ausgegeben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll 2026 um 4,5 bis 5 Prozent wachsen, hieß es im Arbeitsbericht der Regierung, den Ministerpräsident Li Qiang in der Großen Halle des Volkes in Peking vorstellte. Seit 2023 hatte die kommunistische Führung das Wachstumsziel stets mit rund fünf Prozent angesetzt. Einen Wert von 4,5 Prozent gab es zuletzt im Jahr 1991.
Ökonomen sehen in dem vorsichtig formulierten Ziel ein Signal, dass sich die Führung auf moderateres Wachstum einstellt. Die neue Untergrenze nimmt Druck von der Regierung, die Konjunktur mit großen Investitionsprogrammen ankurbeln zu müssen. Peking senkt damit auch die Erwartungen in global unsicheren Zeiten mit Kriegen etwa in der Ukraine und im Iran sowie angesichts des Handelsstreits mit den USA unter Präsident Donald Trump.
Der Nationale Volkskongress ist Chinas Parlament und tritt einmal im Jahr in Peking zusammen. Die fast 2.800 Delegierten werden nicht in freien Wahlen bestimmt. Die politischen Entscheidungen gelten meist als zuvor innerhalb der Kommunistischen Partei abgestimmt.
Peking legt 15. Fünfjahresplan vor
Parallel stellte China seinen neuen Fünfjahresplan (FJP) bis 2030 vor, den der Volkskongress am Ende verabschieden soll. Eine grundlegende Kursänderung erkennen viele Experten nicht. Chinas Wirtschaftsmodell bleibt industrie- und exportorientiert.
Für Unabhängigkeit in Wissenschaft und Technologie sollen verstärkt Durchbrüche in Schlüsseltechnologien erzielt werden, plant die Regierung. KI und Roboter werden damit wohl in den kommenden Jahren Chinas Alltag und Wirtschaft weiter erobern. Forschungs- und Entwicklungsausgaben sollen wie schon im vorangegangenen FJP im Durchschnitt jährlich um mehr als sieben Prozent steigen.
Zudem gab Peking, das seit Jahren erneuerbare Energie massiv ausbaut, verbindliche Ziele aus: Der Ausstoß von klimaschädlichem CO2 relativ zum BIP soll um 17 Prozent gesenkt und der Anteil nicht-fossiler Energien am Gesamt-Energieverbrauch soll bis 2030 von 21,7 auf 25 Prozent steigen.
Bei der Frage nach mehr Konsum hielt sich die Regierung bedeckt. Obwohl Peking schon lange davon spricht, den Binnenkonsum anzukurbeln, weist der Plan keine konkrete Zielvorgabe aus. Geplant sei eine erhebliche Erhöhung des Anteils der Konsumausgaben privater Haushalte am BIP, hieß es lediglich. 2026 stellt China jedoch nur noch 250 Milliarden Yuan (etwa 31,2 Milliarden Euro) statt der 300 Milliarden Yuan aus 2025 für ein Eintauschprogramm alter gegen neue Geräte und Autos zur Verfügung.