EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte nun an, auf Grundlage einer fundierten wirtschaftlichen Analyse eine Möglichkeit für eine europäische Präferenz für strategische Sektoren vorzustellen. Als mögliche relevante Sektoren nannte Ratspräsident António Costa unter anderem Verteidigung, Raumfahrt, saubere Technologien, Quanten-KI sowie Zahlungssysteme.
Einig bei Handel und Bürokratie
Einig waren sich die Staats- und Regierungschefs dabei, internationale Handelsverhältnisse auszubauen und zu diversifizieren, um Risiken und Abhängigkeiten etwa von den USA und China zu verringern. Unumstritten ist zudem, dass die Bürokratielast für Europas Unternehmen reduziert werden soll. Die Industrie klagt beständig über eine enorme Bürde, die durch Umwelt- und Nachhaltigkeitsvorgaben noch größer geworden sei.
Bis zum nächsten Treffen der EU-Spitzen im März soll die Kommission unter Präsidentin von der Leyen einen Plan mit dem Titel «One Europe, one market» («Ein Europa, ein Markt») vorschlagen. Die deutsche Politikerin kündigte dafür Vorschläge in den fünf Bereichen Bürokratieabbau, Binnenmarkt, Energiemarkt, Digitales und Handel sowie konkrete Ziele und Zeitpunkte an. Einige Vorschläge könnten ihr zufolge noch in diesem Jahr umgesetzt werden.
Tempo bei der Kapitalmarktunion?
Ein wichtiger Ansatzpunkt bei der Vertiefung des Binnenmarkts ist auch, das Zusammenwachsen der noch zersplitterten europäischen Kapitalmärkte stärker zu forcieren - um mehr private Investitionen zu mobilisieren. Seit Jahren wird an der sogenannten Kapitalmarktunion gearbeitet, bislang jedoch ohne größeren Erfolg. Kommissionschefin von der Leyen zieht für mehr Tempo an dieser Stelle auch in Betracht, dass kleinere Ländergruppen vorangehen. Beim EU-Gipfel im März werde es außerdem um konkrete Maßnahmen zu Energiepreisen gehen, sagte die Politikerin.
In der Debatte um hohe Energiepreise und deren Bekämpfung geriet das Emissionshandelssystem zur Bepreisung von CO2-Ausstoß in den Fokus. Im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems (ETS) müssen Unternehmen in Sektoren wie Stromerzeugung, industrieller Fertigung und Luftfahrt Emissionszertifikate für ihre Treibhausgasemissionen erwerben. Das soll als Anreiz dienen, um klimaschädliche Treibhausgase einzusparen.
Vor allem in Ländern, in denen fossile Brennstoffe in der Stromgewinnung eine große Rolle spielen, wächst der Unmut daran. Im Laufe des Jahres ist eine Revision des Systems durch die EU-Kommission vorgesehen.
Merz: Handel mit Klimazertifikaten ist richtiges Instrument
Bundeskanzler Merz verteidigte das ETS. «Das hat über 20 Jahre gute Wirkungen erzielt», sagte er. Durch das System sei in Europa Wachstum möglich, ohne gleichzeitig zusätzliche CO2-Emissionen zu verursachen. Der Handel mit Klimazertifikaten sei also das richtige Instrument, müsse aber immer wieder nachjustiert werden. Tags zuvor hatte Merz bei einem Industriegipfel vor Top-Managern aus Europa die Wirkung des ETS infrage gestellt.