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Bundesländer planen Pflichtversicherung wegen Unwetterkatastrophen


Autor: Redaktion

Deutschland, Montag, 19. Juni 2023

Extreme Wetterereignisse kommen aufgrund des Klimawandels immer häufiger vor. Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 ziehen die Bundesländer jetzt Konsequenzen. Kritiker befürchten in der Folge hohe Kosten für Mieter und Eigentümer.


Mieter und Eigentümer müssen mit neuen Kosten rechnen. Nach dem umstrittenen Heiz-Gesetz und der beschlossenen Sanierungspflicht für Häuser planen die Bundesländer nach Bild-Informationen eine neue Pflicht-Versicherung. Diese soll vor Schäden durch Starkregen, Hochwasser oder Sturm schützen. Eine solche Versicherung ist bisher freiwillig. Aktuell ist nur jedes zweite Haus in Deutschland mit dem sogenannten Elementarschutz gegen Naturgefahren abgesichert, sagte André Boudon, Geschäftsführer für Wohngebäudeversicherungen bei CHECK24 der Bild

Damit reagieren die Länder auf die Zunahme extremer Wetterereignisse, wie beispielsweise die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021. 

Extreme Wettereignisse - Bundesländer planen neue Pflicht-Versicherung

Allerdings unterliegen jedoch aufgrund ihrer geografischen Lage nicht alle Regionen der gleichen Gefährdung von Wetterkatastrophen, wie beispielsweise Hochwasser. Dementsprechend unterschiedlich würden die Kosten der verschiedenen Gegenden ausfallen. 

Gefahrenzone 1 Hochwasser tritt seltener als einmal alle 200 Jahre auf  85 Euro mehr pro Jahr
Gefahrenzone 2 Hochwasser tritt einmal in 100 bis 200 Jahren auf 200 Euro mehr pro Jahr
Gefahrenzone 3 Hochwasser tritt einmal in 10 bis 100 Jahren auf 750 Euro mehr pro Jahr
Gefahrenzone 4 Hochwasser tritt mindestens einmal in 10 Jahren auf Mehr als 750 Euro. Die meisten Versicherer machen Angebote hier erst auf Nachfrage.

Nachdem das Thema bei dem vergangen Bund-Länder-Gipfel vertagt wurde, soll nun eine Arbeitsgruppe über das Thema beraten. Gegenwind für das Vorhaben kommt vom Bundesjustizministerium. „Die Einführung einer Elementarschaden-Pflichtversicherung löst das Problem der Gefahr für Schäden an Gebäuden und die damit verbundenen finanziellen Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger nicht“, hieß es aus Kreisen des Ministeriums zu Bild. „Vielmehr wäre eine Versicherungspflicht für sehr viele Haushalte in Deutschland mit drastischen neuen finanziellen Belastungen verbunden.“

Auch der Gesamtverband der Versicherer (GDV) fordert stattdessen die Umsetzung mehrerer Maßnahmen. So sei"klimaangepasstes Planen, Bauen und Sanieren"nötig, damit Prävention ein fester Bestandteil der Landesbauordnung werde. Konkret bedeutet das, einen Baustopp in Hochwassergebieten. Ansonsten könnte es "in den nächsten zehn Jahren zu einer Verdopplung der Prämien für Wohngebäudeversicherungen kommen", warnte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. „Mancherorts könnten Gebäudeversicherungen gar so teuer werden, dass sich das die Kunden nicht mehr leisten können“.

Justizministerium und GDV befürchten hohe Kosten

Deshalb setzt sich Mathias Kleuker, Vorsitzender des GDV-Präsidialausschusses, für eine Kombination aus Prävention und Klimafolgenanpassung als Vorsorge für den Katastrophenfall und Versicherungsschutz ein. Eine Elementarpflicht, wie sie einzelne Länderminister in der Vergangenheit gefordert hatten, sei hingegen keine Lösung, betonte Kleuker.