Das neue Jahr beginnt mit kräftigen Bestellungen für die Industrie - etwa bei Rüstungsgütern. Die Branche könnte wegen staatlicher Militärausgaben zum entscheidenden Treiber für die Wirtschaft werden.
In der krisengeschüttelten deutschen Industrie schüren unerwartet starke Bestellungen die Hoffnung auf bessere Zeiten. Im November stieg der Auftragseingang um 5,6 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Experten hatten nach einem starken Oktober-Wert mit einem Rückgang gerechnet.
Die guten Auftragszahlen - das größte Plus seit Ende 2024 - sorgten auch an der Börse für Optimismus und trieben den Leitindex Dax zeitweise auf ein Rekordhoch. Ökonomen setzen darauf, dass steigende Rüstungsausgaben die Konjunktur ankurbeln. Zugleich warnen sie vor zu viel Optimismus für die deutsche Wirtschaft, die 2026 nach drei Jahren ohne Wachstum wieder zulegen soll.
Ökonomen sehen mögliche Trendwende
«Endlich mal eine Zahl von der deutschen Konjunktur, an der es nichts zu meckern gibt», sagte Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Er sieht darin ein echtes Zeichen für eine mögliche Trendwende. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, sprach von einer «freudigen Konjunkturüberraschung».
Deutliche Auftragszuwächse im November gab es etwa für Hersteller von Metallerzeugnissen mit gut 25 Prozent und im Sonstigen Fahrzeugbau (Flugzeuge, Schiffe, Züge, Militärfahrzeuge) mit einem Plus von 12,3 Prozent. «In diesen Bereichen wurde ein hohes Volumen an Großaufträgen verzeichnet,» erklärten die Statistiker. Ohne Großaufträge war der Auftragseingang 0,7 Prozent höher als im Vormonat. Moderate Zuwächse gab es auch bei elektrischen Ausrüstungen und im Maschinenbau.
Die Auftragseingänge dürften in den kommenden Monaten vor allem von Rüstungsaufträgen geprägt bleiben, meint Gitzel. Der US-Angriff auf Venezuela führe eindrücklich vor Augen, dass es in der derzeitigen Weltordnung auf militärische Stärke ankomme. Die deutsche Rüstungsbranche werde deshalb zu einem der wichtigsten Treiber für die Industrie gehören.
Ähnlich äußerte sich der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien. Rüstungsbestellungen dürften zu weiter steigenden Auftragseingängen führen. Das Auftragsplus sei ein weiteres Indiz, dass die steigenden Staatsausgaben im neuen Jahr die Wirtschaft ankurbeln werden.
«Diese Stütze ist für die Industrie hochwillkommen», betonte Dullien. 2026 dürfte deutlich besser für die deutsche Industrie werden als das abgelaufene Jahr. Neben steigenden Staatsausgaben für Rüstung dürfte auch der Anstieg bei Infrastrukturinvestitionen der Industrie mehr Aufträge bescheren.