Immer mehr Bundesländer führen die sogenannte 2G-Regelung ein. Dieses Modell ermöglicht für geimpfte und genesene Personen weitgehende Lockerungen. Für diese Menschen gelten teilweise keine coronabedingten Einschränkungen, wie beispielsweise Maskenpflicht oder Abstandsregeln, mehr. Gerechtfertigt wird das neue Modell damit, dass von Geimpften nachweislich weniger Gefahr einer Corona-Infektion ausginge, als von getesteten Personen. 

"Aus Public-Health-Sicht erscheint durch die Impfung das Risiko einer Virusübertragung in dem Maß reduziert, dass Geimpfte bei der Epidemiologie der Erkrankung keine wesentliche Rolle mehr spielen", schrieb das Robert-Koch-Institut und legitimiert damit die Einführung 2G-Regelungen. 

Kekulé warnt vor möglichen Superspreading-Ereignissen unter Geimpften

Auch immer mehr Veranstalter und private Betreiber setzen auf eigenen Wunsch die 2G-Regelung durch. Damit entfallen für sie unter anderem Kapazitäten-Grenzen oder das Aufstellen von Plexiglasscheiben. Folglich gelangen Geimpfte und Genesene, aber auch private Betreiber und Veranstalter mithilfe der 2G-Regel an wesentliche Erleichterungen.

Nun meldet sich der Virologe Alexander Kekulé in einer Focus-Online-Kolumne zu Wort und widerspricht vehement den Einschätzungen des Robert-Koch-Instituts. Gleichzeitig warnt der Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie vor möglichen Superspreading-Ereignissen unter Geimpften. Kekulé argumentiert, dass die vollständige Impfung nur etwa zu 50 bis 70 Prozent gegen Infektionen mit der Delta-Variante schützen würde.

"Eine kürzlich veröffentlichte Studie der CDC kam zu dem Ergebnis, dass die Wirksamkeit der mRNA-Impfstoffe durch das Auftreten der neuen Variante von 91 auf 66 Prozent abgefallen ist, in einer anderen Untersuchung kam die US-Gesundheitsbehörde auf magere 53 Prozent", so Kekulé. Das auch Geimpfte Personen nicht vollständig gegen eine Corona-Infektion geschützt sind, zeigte auch ein Fall in Münster, bei dem 39 geimpfte Personen nach einer 2G-Club-Party positiv auf das Corona-Virus getestet wurden. 

Hinzu käme, dass der Impfschutz nach der Zeit verschwinde - wie schnell sei derzeit noch unbekannt - und sich "Geimpfte und Genesene im Vertrauen auf ihren vermeintlich sicheren Impfschutz eher unvorsichtig verhalten" würden. "Während die häufig proklamierte 'Welle der Ungeimpfte' anhand der Tests und Krankenhauseinweisungen sichtbar und berechenbar ist, rauscht die Welle der Geimpften wie ein Tarnkappen-Bomber durch die Bevölkerung", so der Virologe.

"Die Vorstellung des RKI, dass dies für die Epidemie unbedeutend wäre", sei eine Täuschung. Im Gegenteil: So benennt Alexander Kekulé das 2G-Modell in seinem Gastbeitrag als ein 'hohes Infektionsrisiko für Ungeimpfte'. Das Virus könne sich so besonders gut unter ungeimpften Kindern und Jugendlichen ausbreiten. Somit seien Schulschließungen vorprogrammiert und am Ende würden die Kleinen für die große Freiheit der Großen zahlen müssen.

 

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