Sich auf Topmodelle zu fokussieren, also auf weniger Autos, dafür aber jene mit höheren Gewinnspannen, habe nicht so gut funktioniert, sagt Autoexpertin Helena Wisbert, die als Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg lehrt. Mercedes sei ein Volumenhersteller und keine Manufaktur.
Immerhin: Im direkten Wettbewerbsumfeld der Premiumautobauer stehe Mercedes-Benz wie keine andere Marke für Luxus, Prestige und Status, sagt Wisbert. Mercedes habe es geschafft, über einen langen Zeitraum eine erfolgreiche Marke aufzubauen und sich von den Kernwettbewerbern BMW und Audi abzugrenzen.
Gewinneinbrüche und Sparprogramm
Mercedes steht unter Druck. 2025 brach der Gewinn um knapp die Hälfte von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro ein. Zölle, negative Wechselkurseffekte und der intensive Wettbewerb in China hätten die Ergebnisse belastet, hieß es. Auch 2024 waren die Geschäfte bereits schlechter gelaufen. Die Schwaben hatten daraufhin reagiert und ein Sparprogramm aufgelegt. Zahlreiche neue Modelle sollen zudem den Absatz ankurbeln. Källenius sprach von der größten Technologie- und Produktoffensive in der Geschichte des Unternehmens.
Der Autobauer setze derzeit sehr stark auf Innovation und spiele etwa bei Software und Elektromobilität ganz vorn mit, sagt Wisbert. Zudem sei Mercedes-Benz weltweit bekannt für Sicherheit und Verlässlichkeit. Mit den vielen neuen Modellen, die teils schon auf dem Markt sind, hätten die Stuttgarter «die Kurve bekommen».
Was eine gute Marke ausmacht
«Eine gute Marke schafft Orientierung und Vertrauen», sagt Florian Stahl, Professor für Marketing an der Universität Mannheim. Sie helfe Konsumentinnen und Konsumenten, Entscheidungen schneller und mit weniger Unsicherheit zu treffen. Markenstärke entstehe vor allem durch drei Faktoren: «hohe Bekanntheit, klare und positive Assoziationen sowie eine konsistente Erfahrung über alle Kontaktpunkte hinweg.»
Das Logo sei das sichtbarste Symbol einer Marke. «Der Mercedes-Stern gehört zu den bekanntesten Markenzeichen der Welt», sagt Stahl. Seine Stärke liege in seiner Einfachheit, Zeitlosigkeit und hohen Wiedererkennbarkeit. Dass das Logo über Jahrzehnte hinweg nur behutsam verändert wurde, habe wesentlich zu seiner starken Verankerung in den Köpfen der Menschen beigetragen.
Mercedes-Benz profitiere von seiner historischen Rolle als einer der Pioniere des Automobils. So feiert der Autobauer in diesem Jahr auch «140 Jahre Innovation», da Carl Benz 1886 sein Patent für ein «Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb» anmeldete. Das Unternehmen habe über Jahrzehnte konsequent für Ingenieurskunst, Qualität und Innovation gestanden, sagt Stahl. «Mercedes-Benz ist zweifellos eine der erfolgreichsten Marken weltweit», bilanziert der Marketing-Experte.
Mal sehen, worauf der Stern in 100 Jahren dann überall prangt.