Haushaltsloch: Bayerns Kommunen stehen 2026 vor Milliarden-Defizit
Autor: Agentur dpa
Nürnberg, Sonntag, 18. Oktober 2026
Auch im ersten Halbjahr 2026 haben Bayerns Städte und Gemeinden wieder ein Milliardendefizit angehäuft. Das Problem ist bekannt und dürfte die Verhandlungen zum Finanzausgleich massiv erschweren.
Im ersten Halbjahr 2026 haben Bayerns Kommunen erneut ein milliardenschweres Finanzierungsdefizit angehäuft. Konkret beläuft sich das Haushaltsloch auf 4,05 Milliarden Euro. Dies geht aus der Antwort der Staatsregierung auf eine Anfrage der Landtags-Grünen hervor, welche der Deutschen Presse-Agentur in München vorliegt.
Den Zahlen zufolge lag das Minus damit nach den ersten sechs Monaten 2026 annähernd auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums (4,55 Milliarden Euro) und nahe am Minus des gesamten Vorjahres von 4,68 Milliarden Euro.
Rote Zahlen in Bayerns Büchern: Ausgaben steigen stärker als Einnahmen
Auffällig ist dabei, dass die roten Zahlen trotz steigender Steuereinnahmen nicht verhindert wurden, weil die laufenden Ausgaben noch stärker angewachsen sind. Laut Kassenstatistik kletterten die kommunalen Steuereinnahmen um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf rund 11,1 Milliarden Euro. Die Gesamtausgaben zum Halbjahr 2026 stiegen bereits auf rund 24,7 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 3,7 Prozent entspricht.
"Wieder vier Milliarden Euro Minus in nur einem halben Jahr - das ist ein gewaltiges Warnsignal", sagte Claudia Köhler, haushaltspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen. Die Landkreise, Bezirke, Städte und Gemeinden hielten Bayern am Laufen, in dem sie Schulen bauten, Straßen sanierten und Kitaplätze schafften. "Doch immer mehr Kommunen müssen jeden Euro dreimal umdrehen. Wenn sie ihre Investitionen zusammenstreichen müssen, trifft das auch Handwerksbetriebe, Bauunternehmen und Arbeitsplätze in der Region."
Besonders angespannt ist die Lage laut der Antwort der Staatsregierung bei den kreisfreien Städten: 16 von 25 Städten haben Schwierigkeiten, aus ihrem laufenden Haushalt ausreichend Geld für ihre Kredittilgungen bereitzustellen. Erkennbar wurde dies, als die Städte Augsburg und Nürnberg Haushaltssperren erlassenhatten. Auch viele kleinere Gemeinden stehen demzufolge finanziell unter Druck. Bei den Landkreisen ist die Lage noch stabiler.
Lage bei kreisfreien Städten besonders dramatisch - Finanzminister verweist auf den Bund
"In Augsburg erleben wir gerade, was diese Zahlen im Alltag bedeuten: Die Stadt zieht die Haushaltsbremse, wichtige Projekte geraten unter Druck. Und Augsburg ist kein Einzelfall. Wenn fast zwei Drittel der kreisfreien Städte Schwierigkeiten haben, ihre laufenden Verpflichtungen zu stemmen, muss das bei der Staatsregierung Alarm schlagen", sagte die Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Landtag, Stefanie Schuhknecht (Grüne). Die Kommunen brauchten mehr Geld, über das sie selbst entscheiden könnten, und eine Förderung, die auch bei klammen Kassen funktioniere.
Finanzminister Albert Füracker (CSU) verwies auf den enormem Druck, unter dem derzeit alle öffentlichen Haushalte stünden. Bereits jetzt gehe rund jeder dritte Euro des bayerischen Staatshaushalts direkt an die Kommunen. Letztlich müsse das Finanzierungsdefizit auf Bundesebene behoben werden: "Es kann nicht sein, dass in Berlin Gesetze mit neuen Rechtsansprüchen und hohen Standards verabschiedet werden - wie insbesondere im Sozialbereich -, die Finanzierung hierfür dann aber die Kommunen schultern müssen."