Exoten und 2 Neulinge: 17 treten in Bayern zur Bundestagswahl an - 7 Parteien fliegen von Liste

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24 Parteien wollten in Bayern zur Bundestagswahl antreten. Auch einige Neulinge waren dabei. Doch nur 17 Parteien wurden nun zugelassen. Woran das liegt und welche Ziele die Parteien verfolgen, erklären wir hier.

Insgesamt 24 Parteien wollten bei der vorgezogenen Bundestagswahl am 23. Februar im Freistaat Bayern antreten. Dies teilte Landeswahlleiter Thomas Gößl in München mit. Am Freitag, dem 24.01.2025, ist nun klar: Von den 24 Parteien dürfen nur 17 auch tatsächlich antreten. Das hatte der Landeswahlausschuss am Vormittag in seiner ersten öffentlichen Sitzung zur Bundestagswahl in München einstimmig entschieden.  Damit stehen den Wählern im Freistaat deutlich weniger Listenvorschläge zur Wahl als 2021 - damals waren es 26 Parteien.

Neben den im Bundestag und im bayerischen Landtag bereits etablierten Parteien finden sich auf der Liste auch zahlreiche Exoten, deren Namen wohl den meisten Menschen nichts oder nur wenig sagt. Wir haben den Überblick, welche Parteien in Bayern antreten wollen.

Diese 17 Parteien treten in Bayern zur Bundestagswahl 2025 an

Zu den 24 Parteien, die 2025 zur Wahl antreten wollten, gehören natürlich auch die etablierten Parteien, die nicht darum zittern mussten, überhaupt zur Wahl zugelassen zu werden. Daneben gibt es einige Parteien, die bereits lange existieren und mehrfach bei Wahlen im Freistaat antraten, auch wenn sie kaum eine Chance auf den Einzug in den Bundestag haben. Schließlich gibt es aber auch einige neue Parteien. So verbirgt sich hinter dem Kürzel CSC etwa die Cannabis Social Club Partei. Die CSC Partei wurde erst am 23. November 2024 in Aschheim bei München gegründet, den Landesverband Bayern gibt es erst seit dem 4. Januar. Die CSC hat es nun nicht auf die endgültige Liste geschafft - ebenso wie die auch zu den Exoten zählenden Partei für Verjüngungsforschung, die Partei der Rentner oder die Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer. 

Hier sind die 17 Parteien im Überblick in alphabetischer Reihenfolge mit den Ergebnissen bei der Bundestagswahl 2021 (Zweitstimmen in Bayern): 

  • AfD: Die rechtspopulistische  "Alternative für Deutschland" hatte bei der letzten Bundestagswahl in Bayern 9 % der Zweitstimmen in Bayern erhalten. Die AfD war 2013 als nationalliberale und europaskeptische Partei gegründet wurden, hat sich im Laufe der Jahre aber radikalisiert.
  • die Basis: Die "Basisdemokratische Partei Deutschland"  entstand im Zuge der Proteste gegen die Corona-Maßnahmen und gilt als parteipolitischer Arm der "Querdenker". Bisher konnte sie in kein Parlament einziehen und hatte 2021 in Bayern einen Zweitstimmen-Anteil von 1,7 Prozent.
  • Bayernpartei: Deutlich länger gibt es bereits die konservative Bayernpartei, nämlich schon seit 1946. Nachdem sie 1949 sogar Teil des Bundestags war, verlor die Partei in den kommenden Jahrzehnten an Bedeutung und lag 2021 bei 0,4 % der Zweitstimmen in Bayern.
  • Bündnis 90/Die Grünen: Die Grünen waren bundesweit Teil der Ampel-Koalition. In Bayern erhielt die Partei mit dem Fokus auf umwelttechnische und ökologische Fragestellungen 2001 14,1 % der Zweitstimmen und war damit drittstärkste Partei. Außerdem holte man als einzige Partei außer der CSU ein Direktmandat (München-Süd). Entstanden war sie 1980 aus der Anti-Atomkraft und Umweltbewegung.
  • Bündnis Deutschland: Das Bündnis Deutschland ist rechtskonservativ und wirtschaftsliberal - der Partei wird eine inhaltliche Nähe zu der AfD unterstellt. 2022 gegründet trat sie 2021 bei der letzten Bundestagswahl natürlich noch nicht an. Bei der Europawahl erhielt die Partei deutschlandweit 0,4% der Stimmen.
  • Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW): Das im vergangenen Jahr aus der Linken hervorgegangene BSW sieht sich als wirtschaftspolitische linke Partei mit kulturpolitisch konservativer Ausrichtung. Sie setzt sich unter anderem für einen Stopp der Waffenlieferungen an die Ukraine ein. Erst Anfang 2024 konnte man bei der Europawahl 6,2% der Stimmen auf sich vereinigen. 
  • CSU: Die CSU ist seit vielen Jahren stärkste Kraft in Bayern und stellt mit Markus Söder auch aktuell den Ministerpräsidenten. Die Christlich-Soziale Union wurde 1945 gegründet. Bei der letzten Bundestagswahl 2021 holte man und 45 der 46 bayerischen Direktmandate und 31,7 Prozent der Zweitstimmen.
  • Die Linke entstand 2007 aus der Verschmelzung der ostdeutschen PDS (Nachfolger der SED) mit der von der SPD abgespaltenen WASG. Sie sah sich als linke Alternative zur SPD. Bei der Bundestagswahl 2002 holte die Linke 2,8 % der Zweitstimmen in Bayern.
  • FDP: Die Freie Demokratische Partei war unter Christian Lindner Teil der Ampelkoalition. Die wirtschaftsliberalen Partei holte in Bayern bei der letzten Bundestagswahl 10,5 % der Zweitstimmen. 
  • Freie Wähler: Die Freien Wähler arbeiten in der Landespolitik seit 2018 mit der CSU zusammen und gelten als konservative Partei.  Der Bundesverband wurde 2009 gegründet. Bei der letzten Bundestagswahl holte man in Bayern 7,5 % der Zweistimmen.
  • Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands MLPD: Die MLPD gilt als kommunistisch und wird deshalb vom Verfassungsschutz beobachtet. Sie existiert seit 1982. Bei der Bundestagswahl 2021 holte man in Bayern die geringste Zahl von Zweitstimmen (1251 Stimmen bzw. 0 Prozent).
  • ÖDP: Die Ökologisch-Demokratische Partei sieht sich als konservative Alternative zu den Grünen, betont aber wie diese umweltpolitische Themen. 2021 holte man in Bayern 0,7 % der Zweitstimmen. Gegründet wurde die Partei 1982. 
  • Partei der Humanisten: Die PdH wurde 2014 gegründet und holte in Bayern 2021 0,1 % der Zweitstimmen. Die Kleinpartei setzt sich für eine strenge Trennung von Religion und Staat ein und vertritt liberale Standpunkte. 
  • Die PARTEI: Die PARTEI wurde als Satire-Partei 2004 von Redakteuren der Titanic gegründet, ist seit 2014 aber auch im Europaparlament vertreten. Sie will durch satirische Mittel auf Probleme des politischen Apparates aufmerksam machen. 2021 holte man in Bayern 0,7 % der Zweitstimmen. 
  • Partei Mensch Umwelt Tierschutz: Die Tierschutzpartei wurde 1993 gegründet und setzt sich für die Rechte von Tieren ein und fördert beispielsweise vegane Ernährung. 2021 holte die Partei 1,1 % der Zweitstimmen in Bayern.
  • SPD: Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ist die älteste noch bestehende Partei Deutschlands. Die Sozialdemokraten stellen mit Olaf Scholz den Bundeskanzler in der zerbrochenen Ampelkoalition. In Bayern war man 2021 zweitstärkste Kraft und holte 18 Prozent der Zweitstimmen. 
  • Volt: Die sozialliberale Partei Volt fokussiert sich auf europapolitische Fragestellungen und konnte sich vor allem bei den Europawahlen zeigen. Auch in den Städten konnte die Partei Stimmen, insbesondere bei jüngeren Wählern und Wählerinnen, holen. Bei der letzten Bundestagswahl erhielt Volt 0,3 % der Zweitstimmen in Bayern.

Diese 7 Parteien haben es nicht auf die endgültige Liste geschafft

Zur Bundestagswahl 2021 wurden in Bayern noch 26 Parteien mit Landeslisten zugelassen, 2017 waren es 21. Die geringere Zahl in diesem Jahr hängt vor allem mit dem vorgezogenen Wahltermin zusammen. Dieser machte es gerade kleineren Parteien schwer, rechtzeitig die formalen Vorgaben für einen erfolgreichen Wahlantritt zu erfüllen. 

So hatte dieses Jahr der Landeswahlausschuss eben sieben Listen zurückgewiesen, weil die nach dem Bundeswahlgesetz erforderliche Zahl von 2.000 Unterstützungsunterschriften nicht vorgelegt worden war.  Konkret betroffen davon sind folgende Parteien:

  • Cannabis Social Club Partei: Die erst Ende 2024 gegründete Partei setzt sich für die vollständige Legalisierung von Cannabis ein und will eine Rücknahme der Teillegalisierung verhindern. Bisher liegen keine Wahlergebnisse vor.
  • MERA25: MERA25 ist der deutsche Arm der paneuropäischen Partei "Democracy in Europe Movement 2025" (DiEM25). Man trat bisher nicht bei der Bundestagswahl an, holte bei der Europawahl 2024 0,3 % der Stimmen. Die Partei setzt neben einer demokratischen Europapolitik vor allem auf sozialpolitische Forderungen. 
  • Partei der Rentner: Die Kleinpartei wurde im Jahr 2023 gegründet, ähnliche Partei hatten bereits zuvor existiert und sich zwischenzeitlich wieder aufgelöst. Die PdR setzt sich für Interessen von Rentner und Rentnerinnen ein und fordert eine Mindestrente.
  • Partei für Verjüngungsforschung: 2015 gegründet, will die Partei die medizinische Forschung fördern, um das Leben der Menschen zu verlängern bzw. Menschen unsterblich zu machen. Weitere politische Ziele verfolgt die Partei nicht. 2021 erhielt die Partei in Bayern 0,1 % der Zweitstimmen
  • Piraten: Die Piratenpartei entstand 2006 als Reaktion auf aus ihrer Sicht verfehlte Netzpolitik. Darüber hinaus herrscht aber ein breites Spektrum unterschiedlicher politischer Positionen in der Partei. 2021 holten die Piraten in Bayern 0,7% der Stimmen.
  • V-Partei³: 2016 gegründet, setzt sich die Partei für eine vegane oder vegetarische Ernährung ein und konzentriert sich auf umweltpolitische Themen und Tierschutz. 2021 holte man in Bayern 0,1 % der Zweitstimmen.
  • WerteUnion: Die Werteunion hat sich 2024 von der CDU abgespalten und positioniert sich rechtskonservativer als die Unionsparteien. Ihr Gesicht ist der umstrittene Politiker Hans-Georg Maaßen. Nur einzelne Landesverbände wollten zur Bundestagswahl 2025 antreten. 

2021 wurden 26 Parteien zugelassen 

Die Wahlbeteiligung hatte vor vier Jahren bei 79,9 Prozent gelegen (2017: 78,1 Prozent). Insgesamt sind im Freistaat rund 9,2 Millionen Menschen bei der Bundestagswahl stimmberechtigt. Darunter befinden sich 362.000 Erstwähler.

Die Gemeinden im Freistaat wollen die Briefwahlunterlagen voraussichtlich ab dem 10. Februar versenden. Wegen des vorgezogenen Termins sind die Fristen in diesem Jahr deutlich kürzer als bisher.

2021 holte die CSU 31,7 Prozent der Stimmen, es war eines der schlechtesten Ergebnisse in ihrer Parteigeschichte. Die SPD landete bei 18,0 Prozent, die Grünen bei 14,1 Prozent. Die FDP erhielt 10,5 Prozent, die AfD 9,0 Prozent und die Freien Wähler 7,5 Prozent. Die Linke kam auf 2,8 Prozent, andere Parteien gemeinsam auf 6,4 Prozent.

Vorschaubild: © Marijan Murat/dpa