Der Vorfall vom November vergangenen Jahres hatte die Anwohner der kleinen fränkischen Gemeinde Estenfeld stark verunsichert: Unbekannte waren in einer Straße kurz hintereinander in vier Wohnungen eingebrochen. Die Täter erbeuteten Bargeld und Schmuck. In einem Fall sah einer der Geschädigten einen der Diebe sogar noch wegrennen. Festgenommen werden konnten die Täter aber nicht.

Dieser fränkische Einbruchsfall steht exemplarisch für die Situation in ganz Deutschland: Die Zahl der Wohnungseinbrüche steigt seit Jahren stark an, die Aufklärungsquote ist äußerst gering. Und auch wenn Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bei der gestrigen Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2014 erklärte, dass "in Bayern leben sicherer leben" heißt, sind auch die Zahlen im Freistaat alarmierend. Alleine im Jahr 2014 wurden im Vergleich zum Vorjahr knapp 29 Prozent mehr Wohnungseinbrüche registriert.

Nicht verwunderlich, dass die Politik dem Trend jetzt entgegenwirken will. Michael Siefener, Stellvertretender Pressesprecher im Bayerisches Staatsministerium des Innern, gibt auf Anfrage an, dass man die Fahndungs- und Ermittlungsarbeit der Bayerischen Polizei bereits deutlich verstärkt habe. Hierzu würden Schleierfahndungskontrollen gegen internationale Diebesbanden zählen. Seit Oktober teste man auch die Software "Precobs", die auf statistischer Basis errechnet, wann und wo eine Straftat zu erwarten ist.

Reisewege der Täter

Darüber hinaus wurde ein EU-Projekt vorgestellt, das die Zusammenarbeit gegen Einbrecherbanden verbessern soll. "Es werden Lagebilder erstellt, um die Reisewege der Täter und die Absatzwege des Diebesguts länderübergreifend nachvollziehen zu können", so Bayerns Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer bei der Präsentation. Und: Ein internationales Netzwerk von Ermittlungsexperten soll aufgebaut werden. "Dabei geht es uns nicht nur um die Einbrecher vor Ort, sondern vor allem um die Strippenzieher im Hintergrund, die oftmals unbehelligt im Ausland sitzen", erklärt Schmidbauer.

Der Freistaat hat dem Bundesrat zudem einen Antrag vorgelegt, wonach es im Strafrecht nicht mehr möglich sein soll, bei Einbrüchen zwischen schweren und minder schweren Fällen zu unterscheiden. Damit will man erreichen, dass für alle Wohnungseinbrüche ein Mindeststrafmaß von sechs Monaten und eine Höchststrafe von zehn Jahren gilt. Bei minder schweren Fällen liegt der Strafrahmen bisher noch bei drei Monaten bis zu fünf Jahren.

Ob dies alles hilft, die Zahl der Wohnungseinbrüche zu verringern? Norbert Reisinger ist da bei bestimmten Maßnahmen eher skeptisch. "Nur härtere Strafen zu fordern, um diesem Problem Herr zu werden, wäre sicherlich populistisch", sagt der Pressesprecher des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) in Bayern. Vielmehr müsse die Justiz mit der Strafzumessung deutlich machen, "dass der Schutz der Privatsphäre in unser aller Interesse stehen muss".

Die internationale Bekämpfung der osteuropäischen Bandenstrukturen begrüßt er hingegen. Dies sei dringend erforderlich. "Die Wohnungseinbrüche werden zum Großteil durch Bandenmitglieder begangen, die mit Hilfe straffer hierarchischer Strukturen aus dem Ausland gesteuert werden."

Polizei braucht mehr Personal

Um langfristig etwas bewirken zu können, so Reisinger, benötigt die Polizei aber vor allem eines: mehr Personal. "Es werden weniger junge Polizeibeamten eingestellt als gleichzeitig Beamte in Pension gehen. Diese Schere wird sich weiter öffnen." Zudem würden durch Demonstrationen und Gewalt bei Fußballspielen "zehntausend von Arbeitsstunden verschwendet, die uns in der Kriminalitätsbekämpfung fehlen".

Insgesamt müsse auch eine gesellschaftliche Diskussion angestoßen werden, die klar verdeutlicht, dass eine Ermittlungsbehörde mit entsprechenden Eingriffsrechten die Bürger schützt. "Das mantraartige Verteidigen des Datenschutzes bringt uns nicht weiter! Jeder Betroffene, der in seinem privaten Umfeld durch einen Einbruch geschädigt wurde, wird dieses nachvollziehen können."
In der Tat: Viele Einbruchsopfer werden nach der Tat lange von Ängsten geplagt, leiden unter Schlafstörungen und müssen sich jahrelang in psychologische Betreuung begeben. Bezeichnend: Etwa ein Viertel aller Betroffenen zieht aus der Einbruchs-Wohnung aus.