Die schon totgesagte Wasserwacht in Marktrodach hat sich zur Erfolgsstory entwickelt. Die Schwimmkurse und die Ausbildung sind stark gefragt.
"Wir wollten, dass jedes Kind in Marktrodach bis zur zweiten Klasse auch schwimmen kann." Bürgermeister Norbert Gräbner sitzt in seinem Amtszimmer und freut sich über eine erfolgreiche Schwimmbadsaison, eine gute Zusammenarbeit mit der Grundschule, aber auch über die Erfolgsstory der Wasserwacht. Er hatte zum Pressetermin geladen, um Dank zu sagen, aber auch, um ein Projekt zu würdigen, das gar nicht so selbstverständlich ist.
"So viele Kinder können heutzutage gar nicht mehr oder mehr schlecht als recht schwimmen. Und dabei kann diese Fähigkeit doch Leben retten." Gräbner schüttelt ungläubig mit dem Kopf, denn zu seiner Zeit sei schwimmen lernen so selbstverständlich gewesen wie essen und trinken.
Dieses Problem habe vor allem auch Carmen Ernst von der Marktrodacher Wasserwacht erkannt und 2015 mit ihrem ersten Schwimmkurs begonnen. "Wir haben einen Aushang in der Schule gemacht und etwas im Gemeindeblatt veröffentlicht. Der Grundstein war gelegt", meint die Ausbilderin mit dem großen Herzen für Nichtschwimmer und Wasserratten. Seither sind ihre Kurse immer belegt und auch das freie Training einmal pro Woche werde teilweise vollkommen überrannt.
Schon längst schafft es Carmen Ernst nicht mehr alleine, alles zu stemmen. Die Wasserwacht übernimmt im Rodach Beach ja auch noch die Beckenaufsicht und kümmert sich um die umfangreiche Ausbildung ihrer Mitglieder. "Wir veranstalten zum Beispiel einen Piratentag, verleihen Abzeichen und wir sorgen dafür, dass die Kinder und Jugendlichen auch in anderen Bereichen fit sind." Was sie aufzählt, das sind unter anderem Rettungsübungen, aber auch Themen, die den Natur- und Gewässerschutz betreffen. Außerdem lerne man bei der Wasserwacht ein Boot zu führen oder auch, wie man richtige Knoten macht.
Das Kontrastprogramm beschreibt Conny Böttner: "Manchmal grillen wir auch Stockbrot am Lagerfeuer, gehen an den Fluss oder machen aus einer Weihnachtsfeier ein Jahresanfangs-Event." Vor allem spielerisch soll es sein, das Training bei der Wasserwacht. "Wir wollen keinen Leistungsdruck aufbauen, sondern Spaß an diesen Dingen vermitteln."
Aber die Wasserwacht war in Marktrodach nicht immer so präsent, wie das jetzt der Fall sei. Katja Wich vom Bauamt: "Sie war eigentlich total am Boden und wir wollten sie schon begraben. Dann kam Carmen Ernst und hat ihr wieder Leben eingehaucht." Jetzt freue man sich über den Erfolg, der dem regelmäßigen Einsatz am und im Becken zu verdanken sei.
"Wir haben wieder Zulauf und können so auch etwas bieten. Die Mannschaft besteht momentan aus einer Ausbilderin, einem 'Azubi' und vier Helfern", beschreibt Carmen Ernst die personelle Situation. "Wenn wir Nachwuchs wollen, dann müssen wir uns intensiv darum kümmern und an der Basis beginnen."