Forchheim: Sperrmüll wird zu Ärgernis für Anwohner

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Vor Weihnachten belegte der Sperrmüll den Bürgersteig in der Goethestraße. Foto: Niklas Schmitt
Vor Weihnachten belegte der Sperrmüll den Bürgersteig in der Goethestraße. Foto: Niklas Schmitt
Niklas Schmitt
Niklas Schmitt
 
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Über längere Zeit stapelte sich in der Serlbacherstraße der Müll auf dem Bürgersteig. Anwohner sind verärgert und sehen die Stadt in der Verantwortung.

Eigentlich ist es eine einfache Sache. Jemand löst eine Wohnung auf und will den entstandenen Sperrmüll abholen lassen. Man macht einen Termin aus beim Landratsamt Forchheim, Fachbereich 36, Abfallwirtschaft und an diesem wird der Müll abgeholt. Allerdings gibt es bei der Bereitstellung einiges zu beachten, damit der Sperrmüll auch tatsächlich mitgenommen wird.

Eine schöne Bescherung

Offensichtlich war das kurz vor Weihnachten in der Serlbacherstraße, Ecke Goethestraße nicht der Fall. Auf dem Grundstück des sogenannten "Weberhauses" in der Serlbacherstraße 15 stapelte sich seit Ende November der Sperrmüll: Möbel, Matratzen, Müllsäcke, Sofagarnituren. Als das Ehepaar Reichel, das direkt gegenüber wohnt, am 19. Dezember aus dem Urlaub zurückkehrte, hatte man den Müll zur Abholung auf den Bürgersteig verbracht.

Es stürmte, Sofa- und andere Teile flogen auf die Fahrbahn, beschwert sich Gerhard Reichel, sodass, bog man in die Goethestraße ein, auf der Hut sein musste. Ein Ärgernis, auch für weitere Nachbarn. Schließlich habe der Müllberg, so Reichel, auch andere dazu eingeladen, ihren sperrigen Müll - widerrechtlich - dort hinzuzulegen.

Anrufe von Reichels Frau bei Stadt und Landkreis führten zu Weitervermittlungen und Zuständigkeitsverschiebungen. Denn das Landratsamt ist für die Sperrmüllentsorgung zuständig. Das "Weberhaus" aber gehört, so die Annahme der Nachbarn, der Stadt, die sich also um die Entsorgung und damit die Entspannung der Lage kümmern müsse. Gerhard Reichel sieht die Stadt in der Pflicht. Aber besteht tatsächlich ein Zuständigkeitsproblem und ist der Ärger der Anwohner gerechtfertigt?

Eigentümer des Gebäudes Serlbacherstraße 15 ist die Vereinigte Pfründerstiftung. Verwaltet wird es von der Stadt Forchheim. Wie in jedem anderen Fall auch wurde die Abholung des Sperrmülls im Voraus bei der Abfallwirtschaft angemeldet.

Zuständig für die richtige Bereitstellung ist der Mieter, erklärt Thomas Jungbauer vom Zentralen Grundstücks- und Gebäudemanagement der Stadt.

"Wir sind nur der Abholer"

Am angekündigten Termin wird der Sperrmüll dann mitgenommen. Allerdings nur bestimmte Sachen, keine Elektrogeräte, kein Eisen und auch keine kleineren Müllmengen, die ohne Weiteres in der Mülltonne Platz hätten. Das Problem hier: der Müll wurde nicht sortiert bereitgestellt, sodass die Müllmänner ihn nicht mitnahmen.

Heinrich Kogel von der Abfallwirtschaft sagt: "Wir sind nur der Abholer, wenn die Bedingungen nicht eingehalten werden, gibt es keine Leistung." So einfach ist das, auch für die Stadt.

Thomas Jungbauer habe die Mieter aufgefordert, den Müll nach der fehlgeschlagenen Abholung noch einmal zu sortieren. Solange der Müll aber auf dem Bürgersteig lag, war es die Aufgabe der Stadt - nicht als Verwalter des Gebäudes, sondern als Ordnungsamt - für die Sicherheit entlang der Straße zu sorgen.

Um die Behinderung des öffentlichen Raums so gering wie möglich zu halten, hält das Landratsamt die Bürger dazu an, den Müll erst am Vorabend zur Abholung bereitzustellen. Das hat in diesem Fall nicht funktioniert. Liegt der Müll aber auf dem Grundstück ist er Privatsache. Das heißt konkret: Solange er auf dem Bürgersteig lag, hatten die Nachbarn alles Recht, sich über die Behinderung zu beschweren. Ist es nun aber wie jetzt, dass der Sperrmüll erneut im Innenhof gelagert wird, liegt die Verantwortung alleine beim Hausbesitzer, wie und wann er den Müll entsorgt.

Das Thema ist vom Tisch

Dementsprechend sagt Jungbauer auch, nachdem der Müll wieder auf dem Grundstück liegt: "Jetzt ist das Thema wieder vom Tisch." Natürlich kann er die Anwohner verstehen, dass sich gerade so kurz vor Weihnachten der Müll stapelt, betont aber auch, dass die Sache nun geklärt sei. Weder Nachbarn noch die Zeitung hätten sich dafür zu interessieren.

Richtig ist jedenfalls: Der Müll ist dort, wo er sein darf. Eine Anfrage für einen erneuten Abholversuch ist gestellt, aber der Termin steht noch nicht fest. Im Idealfall finde die Stadt eine schnelle Lösung mit dem Landratsamt, so Jungbauer. Anderenfalls müsse sie, wie jeder Bürger auch, auf den zugewiesenen Termin warten. Das ist auch die Haltung von Kögel, der sagt, "die Zuständigkeiten sind genau geklärt." Womit die Sache für ihn wiederum sehr einfach ist: Anfrage, Termin, Abholung.

Während also geklärt ist, dass sich die Stadt kümmert, aber nicht geklärt ist, wie lange der Sperrmüll noch im Innenhof liegen wird, bleibt ein Vorwurf anderer Art, den Gerhard Reichel formuliert, bestehen: "Die Stadt müsste hier Vorbildcharakter zeigen. Eine Stadt darf sich so etwas nicht erlauben."

Info So geht"s gut mit dem Müll

Wer seinen Sperrmüll vom Abfallmanagement kostenfrei abholen lassen will, muss einiges beachten. Anderenfalls wird der Müll nicht mitgenommen. Hier einige wichtige Punkte.

Termin Zwei Mal im Jahr kann man online einen Termin zur Abholung beantragen, aber nur Eigentümer oder Verwalter - nicht die Mieter. Gebührenfrei sind insgesamt nur 4 Kubikmeter pro Haushalt im Jahr. In Folge wird einem ein Termin zugewiesen, der für alle Haushalte auf einem Grundstück gilt. Mitunter muss man sich auf Wartezeiten von einigen Wochen einstellen.

Erlaubt Mitgenommen werden Möbel und sperrige Einrichtungsgegenstände, wie zum Beispiel Matratzen, Sofas, Teppiche, Spiegel, Ski und Eimer mit Dispersionsfarbe. Ebenso werden maximal fünf Elektrogroßgeräte - etwa Waschmaschine, Kühlschrank, Herd - mitgenommen.

Nicht erlaubt Nicht mitgenommen wird Bauholz, Metall, Baustellenabfälle sowie unter anderem Gegenstände aus dem Außenbereich. Darunter fallen Zäune oder Gartenhäuschen. Chemikalien, Verkaufsverpackungen/Kartons, Reifen oder Altkleider werden ebenso nicht mitgenommen wie kleinteiliger Restmüll und Müllsäcke.

Abholung Am Vorabend, spätestens aber um 6 Uhr des Abholtages sollte der Müll erreichbar bereitgestellt werden. Die Einzelteile dürfen maximal zwei Meter lang und 40 Kilo schwer sein. Außerdem muss der Müll nach Holzmöbeln, sperrigen Gegenständen und Elektrogroßgeräten sortiert werden. Nur dann wird eine Abholung gewährleistet.

Internet Weitere Informationen zum Sperrmüll lassen sich auf der Homepage des Landkreises unter www.lra-fo.de finden. Möglich ist auch, manche gut erhaltenen Stücke vom Gebrauchtwarenhof Pack mer's abholen zu lassen: www.packmers-im-web.de.