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Zugunglück in Spanien: Mindestens 64 Tote – "Menschen flogen durch die Luft"


Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa

Madrid, Mittwoch, 28. Oktober 2026

Spaniens Hochgeschwindigkeitsnetz galt lange als Vorbild für Europa. Nun kommt es zum zweiten schweren Unglück innerhalb von neun Monaten. Sind die auch bei Touristen beliebten Züge des Landes sicher?
Rettungskräfte sind am Unfallort nach dem Zusammenstoß zweier Züge im spanischen Urda im Einsatz. Das Unglück ereignete sich kurz vor neun Uhr morgens, als ein Zug des privaten Bahnunternehmens Iryo zum Stehen kam und ein nachfolgender Zug der staatlichen Gesellschaft Renfe von hinten auf ihn auffuhr.


Update vom 28.10.2026, 20.27 Uhr: Menschliches Versagen möglicherweise die Ursache

Nach dem schweren Zugunglück in Spanien, bei dem mindestens 68 Menschen ums Leben gekommen sind, könnte die Zahl der Toten noch weiter steigen. Das sagte der Präsident der Region Kastilien-La Macha, Emiliano García-Page, am Unglücksort nahe Urda in der Provinz Toledo, rund 130 Kilometer südlich von Madrid, wo am Mittwoch (28. Oktober 2026) zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammengestoßen waren. Rund 50 Menschen wurden schwer verletzt. Zu Ausländern unter den Opfern wurde vorerst nichts bekannt.

Das Unglück passierte um kurz vor neun Uhr, als ein Zug des privaten Bahnunternehmens Iryo aus zunächst ungeklärten Gründen zum Stehen kam und ein nachfolgender Zug der staatlichen Gesellschaft Renfe von hinten auf ihn auffuhr. Zwei Iryo-Wagen und ein Renfe-Waggon entgleisten und stürzten einen Bahndamm hinunter. Nach amtlichen Angaben waren insgesamt etwa 540 Passagiere in beiden Zügen auf dem Weg von Madrid nach Andalusien.

Das Unglück sei auf eine "unerklärliche" und "falsche" Entscheidung der Bahnleitstelle zurückzuführen, sagte Verkehrsminister Óscar Puente. Obwohl das automatische Zugsicherungssystem nach einem Computerausfall noch nicht wieder funktionierte und alle Züge auf einer Strecke von 63 Kilometern standen, sei dem Renfe-Zug grünes Licht zur Weiterfahrt gegeben worden. Ob menschliches Fehlverhalten vorliege, müsse die Untersuchung klären. Mit dem betreffenden Mitarbeiter habe man bislang nicht gesprochen, sagte Puente.

Militärische Nothilfeeinheit im Einsatz

Der Bahnverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde in beide Richtungen unterbrochen. Feuerwehrleute und Zivilschutzkräfte aus umliegenden Gemeinden waren am Unglücksort im Einsatz. Zudem wurden drei Rettungshubschrauber und mobile Intensivstationen zur Versorgung der Verletzten eingesetzt. Das Innenministerium ordnete auch den Einsatz der militärischen Nothilfeeinheit UME an. Krankenhäuser riefen zu Blutspenden auf.

Überlebende schilderten den Medien die dramatischen Momente des Unglücks. Jesús Jerónimo saß in einem Waggon des Renfe-Zuges und arbeitete an seinem Laptop. "Ich spürte plötzlich eine heftige Beschleunigung und wurde mit voller Wucht gegen den Vordersitz geschleudert. Menschen flogen durch die Luft", sagte der 54-Jährige der Zeitung El País.

"Es war brutal", erzählte Dirk, ein junger Tourist aus dem US-Staat Florida, im RTVE-Interview. "Überall Blut, Schreie. Menschen heulten. Schnell raus hier, habe ich zu meiner Frau gesagt." Der Pfarrer von Urda kämpfte im Gespräch mit RTVE mit den Tränen: "Es war erschütternd, sehr, sehr hart. Ich konnte einigen Verletzten helfen, andere Betroffene in den Arm nehmen und ihnen Trost spenden." Ein Psychologe, der in Madrid Angehörige möglicher Opfer betreute, sagte im Fernsehen: "Es ist wie in einem Horrorfilm."

Ist das spanische Netz wirklich sicher?

Nur neun Monate nach einer ähnlichen Bahnkatastrophe, bei der im Januar 46 Menschen ums Leben kamen, wirft die neue Tragödie viele unbequeme Fragen auf. Das moderne Hochgeschwindigkeitsnetz des Landes stand lange für Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Es ist auch bei Touristen beliebt. Jetzt fragen sich viele: Hat Spanien möglicherweise ein strukturelles Problem?

Noch vor den Worten von Puente sagte Rafael Escudero, Sprecher der Eisenbahngewerkschaft: "Ich sage schon seit langem, dass der Zustand unseres Bahnnetzes nicht angemessen ist." Die Lokführergewerkschaft hält derweil an ihrem für Donnerstag geplanten Streik fest. Sie hatte ihn bereits am 16. Oktober angekündigt, um Verbesserungen bei der Sicherheit zu fordern.

Vor der vorgezogenen Parlamentswahl vom 29. November dauerte es nicht lange, bis Oppositionspolitiker der linken Regierung von Pedro Sánchez die Schuld am Unglück gaben. "Korruption tötet", die Regierung sei kriminell, sagte etwa der Chef der rechtspopulistischen Partei Vox, Santiago Abascal.

Schweigeminuten in Spanien

Mehrere Experten wiesen Spekulationen als "verfrüht" zurück. Oscar Carballo von der Ingenieurkammer sagte zu RTVE: "Theoretisch ist es unmöglich, dass ein Zug auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke auf einen anderen auffährt."

"Ganz Spanien trauert heute", sagte Regierungschef Sánchez am Unglücksort. Er versicherte: "Wir werden der Sache bis zum Ende nachgehen. Sollte es Fahrlässigkeit gegeben haben, wird das ans Licht kommen." Zwei Bahnunglücke innerhalb von neun Monaten seien "inakzeptabel".

Im ganzen Land wurden Schweigeminuten abgehalten, politische und andere Termine sowie Fußballspiele wurden abgesagt. An Bahnhöfen bildeten sich lange Warteschlangen, Medien sprachen von Chaos.

Betroffenheit in ganz Europa

Die Erschütterung reichte auch bis nach Deutschland. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf der Plattform X, die Nachricht mache ihn "tief betroffen". "Wir trauern mit unseren spanischen Freunden und allen, die einen geliebten Menschen verloren haben. Den Verletzten wünsche ich, dass sie rasch wieder gesund werden."

Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, sagte: "Das Zugunglück in Spanien macht mich fassungslos. Es trifft die Eisenbahnfamilie mitten ins Herz." Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich erschüttert. Ihr Mitgefühl gelte den Familien und Angehörigen der Opfer, schrieb sie. "Europa trauert heute mit euch."

Das Unglück ruft Erinnerungen an die schwere Zugkatastrophe vom Januar bei Adamuz in Andalusien wach. Damals war ein Iryo-Zug entgleist und mit einem entgegenkommenden Zug von Renfe kollidiert. Bei dem Unglück kamen 46 Menschen ums Leben.

Ursprungsmeldung vom 28.10.2026, 11.08 Uhr: Mindestens 64 Tote bei Zugunglück in Spanien

Bei einem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge südlich von Madrid sind nach Angaben einer Sprecherin der spanischen Regionalregierung von Kastilien-La Mancha mindestens 64 Menschen ums Leben gekommen.

Die Züge stießen am Morgen nahe Urda in der Provinz Toledo rund 130 Kilometer südlich von Madrid zusammen. Es gebe auch Dutzende Verletzte, sagte Esther Padilla, Sprecherin der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha, im spanischen Fernsehen. Zur genauen Zahl der Verletzten gab es zunächst keine Angaben.

Zwei Waggons eines Zuges des privaten Bahnunternehmens Iryo entgleisten nach dem Zusammenstoß und stürzten nach Angaben des Fernsehsenders RTVE einen Bahndamm hinunter. Nach Angaben Padillas waren im Iryo-Zug 146 Passagiere und ein Baby an Bord. Im Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe befanden sich demnach 397 Menschen.

Verheerendes Zugunglück in Spanien: "Menschen flogen durch die Luft"

Warum es zu dem Unglück kam, war zunächst unklar. Der Iryo-Zug war offenbar aus bislang unbekannten Gründen zum Stehen gekommen. Der nachfolgende Renfe-Zug sei kurz vor neun Uhr auf ihn aufgefahren, hieß es aus Kreisen des spanischen Bahnnetzbetreibers Adif. Beide Züge waren in Richtung Süden nach Andalusien unterwegs. Nach ersten Ermittlungen könnte menschliches Versagen die Ursache sein, berichtete die Zeitung El País.

Der Bahnverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde in beide Richtungen unterbrochen. Am Unglücksort waren Feuerwehrleute aus den nahe gelegenen Orten Alcázar de San Juan und Orgaz sowie Zivilschutzkräfte aus mehreren umliegenden Gemeinden im Einsatz. Zudem wurden drei Rettungshubschrauber und zwei mobile Intensivstationen zur Versorgung der Verletzten eingesetzt. Das Innenministerium in Madrid ordnete außerdem den Einsatz der Militärischen Nothilfeeinheit UME an.

Ein Überlebender schilderte El País die dramatischen Momente des Unglücks. Jesús Jerónimo saß in einem Waggon des Renfe-Zuges auf dem Weg nach Sevilla und arbeitete an seinem Laptop. "Ich spürte plötzlich eine heftige Beschleunigung und wurde mit voller Wucht gegen den Vordersitz geschleudert. Menschen flogen durch die Luft", sagte der 54-Jährige.

Bestürzung über Zugunglück auch in Deutschland

Zunächst hätten die Passagiere gedacht, ihr Zug sei entgleist. Als sie nach und nach ausgestiegen seien, hätten sie gesehen, dass der Zug schräg stand. Es habe viele Verletzte und aufgeregte Menschen gegeben. Jerónimo half anschließend den Rettungskräften, unter anderem indem er Infusionen hielt. Die Feuerwehr konzentrierte ihre Arbeit nach seinen Angaben auf den stärker beschädigten Zug.

Ministerpräsident Pedro Sánchez zeigte sich auf X "bestürzt über das schwere Zugunglück in Toledo" und sprach den Betroffenen und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Die Erschütterung über das Unglück reichte auch bis nach Deutschland. "Das Zugunglück in Spanien macht mich fassungslos. Es trifft die Eisenbahnfamilie mitten ins Herz", erklärte die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla. Sie sprach den Opfern und ihren Angehörigen ihr tiefes Mitgefühl aus und wünschte den Verletzten eine schnelle Genesung.

Erst im Januar hatte es 46 Tote bei einem Bahnunglück gegeben

Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich bestürzt. "Ich habe gerade die erschütternde Nachricht von dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Toledo erhalten", schrieb sie. Ihr Mitgefühl gelte den Familien und Angehörigen der Opfer. "Europa trauert heute mit euch."

Das Unglück weckt Erinnerungen an die schwere Zugkatastrophe vom Januar bei Adamuz in Andalusien. Damals entgleiste ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug und stieß mit einem entgegenkommenden Zug von Renfe zusammen. Bei dem Unglück kamen 46 Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden verletzt.