Zeigt Trump Europa beim Nato-Gipfel die rote Karte?
Autor: Ansgar Haase und Michael Fischer, dpa
, Mittwoch, 08. Juli 2026
Trump fordert mehr Einsatz von Europas Nato-Partnern. Neue Zahlen zeigen: Deutschland investiert so viel wie nie. Reicht das, um die USA an Bord zu halten?
Für die Nato steht heute die zweite große Bewährungsprobe seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump an. Beim Gipfeltreffen in Ankara müssen Deutschland und die anderen europäischen Alliierten Trump in einer Arbeitssitzung davon überzeugen, dass die Nato für die USA noch immer ein wertvolles Bündnis ist.
Der Republikaner hatte daran in den vergangenen Monaten Zweifel geäußert. Dem «Telegraph» sagte er im Frühjahr sogar, es stehe kaum noch zur Debatte, dass die Mitgliedschaft der USA nach dem Ende des Iran-Krieges überdacht werden müsse.
Wird die schwierige Aufgabe gelingen? Wie beim Gipfel im vergangenen Jahr in Den Haag, als das Bündnis um eine Verteidigungsausgaben-Quote rang? Nach der Einigung auf einen Text für die geplante Abschlusserklärung gab es bei Nato-Generalsekretär Mark Rutte, Bundeskanzler Friedrich Merz und anderen Bündnispartnern in den vergangenen Tagen Zuversicht, dass ein ganz großes Debakel verhindert werden kann. Ein Überblick über die schwierigen Themen:
Der Iran-Krieg und der Frust Trumps
Wer Hoffnungen hatte, dass sich Trump bei dem Gipfel handzahm gibt, sah sich schon am Eröffnungstag getäuscht. Kurz nach seiner Ankunft in der türkischen Hauptstadt warf er den Alliierten Großbritannien, Italien, Deutschland und Frankreich am Dienstag erneut vor, sie hätten die USA im Iran-Krieg hängen lassen. «Ich war sehr enttäuscht von der Nato», erklärte er am Rande eines Treffens mit Gastgeber Recep Tayyip Erdogan.
Ob der Konflikt gelöst werden kann, ist offen. In der Abschlusserklärung zum Gipfel soll zu dem Thema lediglich festgehalten werden, dass der Iran niemals über Atomwaffen verfügen dürfe. Zudem wird Teheran aufgefordert, die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus uneingeschränkt zu achten.
Nach den neuen nächtlichen Angriffen auf Ziele im Iran, mit denen das US-Militär auf Attacken gegen Tanker in der wichtigen Meerenge reagierte, dürfte das Thema in Ankara stärker in den Vordergrund rücken.