Wird der Spritpreis Trump im US-Wahljahr gefährlich?
Autor: Jan Christoph Freybott, dpa
, Montag, 06. April 2026
Keine Kriege, günstige Energie: Mit diesen Versprechen lockte Donald Trump seine Wähler an die Urne. Doch tanken ist wegen des Iran-Kriegs so teuer wie seit Jahren nicht - und das in einem Wahljahr.
Dass US-Präsident Joe Biden die Ukraine mit viel Geld unterstützte, während zu Hause die Spritpreise explodierten, kam bei vielen Amerikanern gar nicht gut an. Zu viel Außenpolitik, zu wenig Fokus auf die Probleme der US-Bürger, lauteten die Vorwürfe. Einer der schärfsten Kritiker war damals Donald Trump. Er wollte es anders machen, die Energiepreise halbieren und die Amerikaner immer an die erste Stelle setzen. Als Präsident werde er die Jahre der Kriege, der Schwäche und des Chaos beenden, versprach Trump vor seiner Wiederwahl. «Bei mir gibt es keine Kriege.»
Doch gut ein Jahr nach seiner Amtseinführung stellen sich die Dinge anders dar. Der Krieg der USA gegen den Iran belastet den internationalen Ölhandel schwer, weswegen US-Bürgerinnen und Bürger an der Tankstelle so viel bezahlen wie seit Jahren nicht mehr. Der Anstieg trifft die ländliche Bevölkerung besonders hart, Trumps Kernwählerschaft.
Trump geht mit offener Flanke in den Wahlkampf
Die Schuld für den Preisanstieg kann der Republikaner nicht auf äußere Kräfte oder einen verrückten Weltmarkt schieben - der Grund ist der von ihm begonnene Krieg gegen den Iran an der Seite Israels. Trump geht daher mit einer offenen Flanke in den Wahlkampf zu den wichtigen Zwischenwahlen, die im November anstehen.
Die Amtsinhaber im Weißen Haus werden bei den sogenannten Midterms häufig abgestraft und müssen um ihre Mehrheit bangen - selbst ohne große Krisen. Die Wahl wird entscheiden, ob Trump im Rest seiner Amtszeit noch große Projekte stemmen und wichtige Posten besetzen kann.
Trump spielt das Problem der hohen Spritpreise bislang herunter: Es handle sich um einen kurzfristigen Anstieg, die deutlich erhöhten Ölpreise seien zudem gut für die USA, weil sie als größter Produzent der Welt daran verdienten, meint er. Doch Umfragen zeigen, dass viele Amerikaner das anders sehen. Die große Mehrheit der Bevölkerung verdient nicht am Ölpreis, sondern muss tanken, um mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, die Kinder in die Schule zu bringen oder einzukaufen.
Expertin: Trump steht unter Erfolgsdruck
«Für Trump ist aufgrund der Ölpreisentwicklung der innenpolitische Druck bereits jetzt stark gestiegen», sagt US-Expertin Laura von Daniels von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die Mehrheit der US-Amerikaner lehne den Krieg ab. Zwar genieße Trump noch den Rückhalt vieler Republikaner. «Deren Unterstützung hängt aber davon ab, ob er schnell militärische Erfolge präsentieren und den Krieg für beendet erklären kann.»
Trump behauptet zwar seit längerem, der Krieg sei militärisch schon gewonnen. Wie genau er ihn beenden und die Straße von Hormus wieder öffnen will, bleibt aber trotz aller Drohungen in Richtung der Führung in Teheran unklar. Dem Iran gelingt es derweil immer wieder, Israel und die Partner der USA in der Region mit Drohnen und Raketen zu treffen. Auch die Öl- und Gasinfrastruktur der Staaten am Persischen Golf nimmt Iran ins Visier.