Wie sehr profitiert China in der Welt von Trump?
Autor: Jörn Petring und Johannes Neudecker, dpa
, Sonntag, 08. März 2026
Seit Donald Trump wieder im Weißen Haus sitzt, versucht Peking, sich als stabilere Alternative zu präsentieren. Doch Konflikte wie im Iran und in Venezuela zeigen Grenzen auf.
Wenn die chinesische Führung auf Donald Trumps zweite Amtszeit blickt, ist die Lage ambivalent für sie. Der konfrontative Kurs Washingtons gegen viele Staaten eröffnet Peking neue Möglichkeiten, sich international als Gegenmodell zu präsentieren.
Seit Monaten versucht die chinesische Diplomatie genau das. Während die USA mit Zöllen, Sanktionen und militärischem Druck auftreten, stellt sich Peking als berechenbare Großmacht dar, die Stabilität verspricht und auf Kooperation setzt. Doch die jüngsten Konflikte in der Welt lassen gleichzeitig auch an Pekings Rolle als zuverlässiger Partner zweifeln.
Gerade im Wettbewerb um Einfluss im Globalen Süden spielt dieses Narrativ eine große Rolle. Viele Länder dort stehen der amerikanischen Außenpolitik ohnehin skeptisch gegenüber. Die aggressive Tonlage der Trump-Regierung erleichtert es Peking, seine eigene Botschaft zu platzieren. «Propaganda-Gold» sei die Rhetorik aus Washington für China, sagt Helena Legarda vom China-Forschungsinstitut Merics in Berlin.
Diplomatische Offensive aus Peking
Während des derzeit tagenden Volkskongresses in Peking warb China in diesem Ton um Partner im Globalen Süden und Europa. Die Zusammenarbeit zwischen China und der EU zeige, dass gegenseitige Abhängigkeit kein Risiko darstellt und offene Zusammenarbeit die wirtschaftliche Sicherheit nicht untergrabe, sagte Außenminister Wang Yi bei einer Pressekonferenz. Mit Mauern und Barrieren isoliere man sich nur selbst, sagte er.
Tatsächlich wirkt das geopolitische Umfeld für China derzeit teilweise günstiger als noch vor wenigen Jahren. Auch mehrere westliche Regierungschefs haben zuletzt in schneller Abfolge den Dialog mit Peking gesucht. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Kanadas Premierminister Mark Carney, der britische Regierungschef Keir Starmer und auch Bundeskanzler Friedrich Merz reisten nach China.
Solche Treffen vermitteln das Bild, dass China gerade wegen wachsender Spannungen mit den USA für Europa wieder ein zentraler Gesprächspartner wird. Für viele Regierungen ist Zusammenarbeit umso wichtiger, wenn sich die USA mit Zöllen abschotten.
China positioniert sich als berechenbarer Partner
Gunnar Wiegand von der Denkfabrik German Marshall Fund sieht China in einer relativ starken Position. «Die globale Position Chinas hat sich weiter gestärkt», sagt er. Peking könne sich international als dynamische Hightech-Wirtschaft präsentieren und zugleich als «berechenbarer Partner, der sich zu einer stabilen Weltordnung bekennt und gegen disruptive Politik stellt».