Wie die «Koalition der Willigen» die Ukraine schützen will
Autor: Ansgar Haase und Michael Fischer, dpa
, Mittwoch, 07. Januar 2026
Seit Monaten wird über eine internationale Schutztruppe für die Ukraine für den Fall eines Waffenstillstands spekuliert. Jetzt konkretisieren sich die Pläne. Und auch der Kanzler bezieht Stellung.
Wie kann ein erneuter Angriff Russlands auf die Ukraine nach einem Waffenstillstand verhindert werden? Die Verbündeten des Landes - vor allem die in Europa - wollen dabei eine zentrale Rolle spielen. Beim Gipfel der «Koalition der Willigen» in Paris haben sie dazu wichtige Entscheidungen getroffen. Auch Deutschland hat sich zu einem Beitrag bereiterklärt.
Warum ist die Erklärung von Paris ein großer Schritt vorwärts?
Vor allem, weil es beim Thema Sicherheitsgarantien nun wirklich konkret wird und die Zeit des Ausweichens und Herumlavierens vorbei sein dürfte. Zentraler Punkt ist dabei der Plan, der Ukraine rechtlich verbindlich zuzusichern, sie im Fall eines erneuten russischen Angriffs nicht allein zu lassen. Diese Zusage soll an Artikel 5 des Nato-Vertrags erinnern, in dem festgelegt ist, dass die Alliierten sich im Fall eines bewaffneten Angriffs Beistand leisten. Wichtig ist dabei, dass die Unterstützung ganz explizit auch die Möglichkeit des Einsatzes von Kampftruppen umfassen soll.
In der Erklärung von Paris heißt es: «Wir haben vereinbart, bindende Verpflichtungen zu finalisieren, die unseren Ansatz festlegen, die Ukraine zu unterstützen und Frieden und Sicherheit im Falle eines künftigen bewaffneten Angriffs Russlands wiederherzustellen.» Diese Verpflichtungen könnten den Einsatz militärischer Fähigkeiten, nachrichtendienstliche und logistische Unterstützung, diplomatische Initiativen sowie die Verhängung zusätzlicher Sanktionen umfassen.
Was hat es mit der geplanten «multinationalen Truppe für die Ukraine» auf sich?
Diese von der «Koalition der Willigen» organisierte Truppe soll als Abschreckung dienen und in Friedenszeiten die ukrainischen Streitkräfte unterstützen - etwa bei der Ausbildung junger Soldaten oder der Sicherung des Luftraums und der Seegebiete. Im Ernstfall dürfte allerdings ein weitaus größeres militärisches Engagement notwendig sein.
Welche Rolle werden die USA übernehmen?
Nach dem möglichen Abschluss eines Friedensabkommens wird es jemanden geben müssen, der die Einhaltung überwacht. Die USA wollen dabei eine Schlüsselrolle spielen. Das derzeitige Konzept sieht vor, die etwa 1.200 Kilometer lange Kontaktlinie vor allem mit unbemannten Hightech-Systemen zu bewachen. Dabei würde es sich zum Beispiel um Drohnen, aber auch um bodengestützte Systeme handeln. Eine große Truppenpräsenz direkt an der Kontaktlinie wäre dann nicht erforderlich.
Und wie sieht es mit einem militärischen Engagement im Fall der Fälle aus?
Zu einer klaren Unterstützungszusage für die multinationale Truppe konnten die Amerikaner in Paris nicht bewegt werden. Eine dazu vorgesehene Formulierung fehlte letztlich in der veröffentlichten Erklärung. Wahrscheinlich wollen die Amerikaner ihre Unterstützung auf Dinge wie die Weitergabe von nachrichtendienstlichen Erkenntnissen und Logistik- und Waffenhilfen beschränken - möglicherweise auch im Ernstfall.
Was ist die Rolle Deutschlands?
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat nach dem Gipfel in Paris erstmals eine militärische Beteiligung Deutschlands an der Absicherung eines möglichen Waffenstillstands in Aussicht gestellt. «Dazu kann zum Beispiel gehören, dass wir nach einem Waffenstillstand Kräfte für die Ukraine auf benachbartem Nato-Gebiet einmelden», sagte er. Der CDU-Vorsitzende schloss aber auch einen Einsatz auf ukrainischem Territorium nicht aus. «Ich will für mich sagen und auch für die Bundesregierung: Wir schließen dabei grundsätzlich nichts aus.»