Trumps Stopp erfolgte, nachdem Saudi-Arabien den USA die Nutzung eines Luftwaffenstützpunktes sowie des saudischen Luftraums zur Unterstützung der Initiative untersagt hatte, wie der Sender NBC News unter Berufung auf zwei US-Beamte berichtete. Eine Belastungsprobe für die Beziehungen: Ohne saudi-arabische Häfen und Luftwaffenstützpunkte ist die US-Präsenz in der Region stark eingeschränkt. Laut «Wall Street Journal» hat die amerikanische Initiative den größten Streit in den militärischen Beziehungen der USA und Saudi-Arabiens seit Jahren ausgelöst.
Was stört Saudi-Arabien, was die USA?
Während Saudi-Arabien jahrzehntelang der wichtigste Sicherheits- und Energiepartner der USA in der Region war, herrscht nun Misstrauen. Saudi-Arabien fühlt sich beim Entscheidungsprozess von den USA teilweise übergangen und nicht ausreichend berücksichtigt.
Riad verfolgt unter Kronprinz Mohammed bin Salman eine «Saudi First»-Politik. Man will die eigene wirtschaftliche Transformation («Vision 2030») nicht durch einen Flächenbrand gefährden, den man als von den USA provoziert ansieht. Die USA wiederum zeigen sich enttäuscht über die mangelnde Unterstützung ihrer wichtigsten arabischen Verbündeten. Das einstige Vertrauen ist beschädigt. Die heutigen Beziehungen werden von Beobachtern als nüchterner und weniger loyal beschrieben.
Wie beeinflusst der laufende Iran-Krieg die Beziehungen?
Der Krieg wirkt wie ein Katalysator für die Entfremdung. Der Iran hat bereits mehrfach in den Golfstaaten und auch im einflussreichen Königreich US-Stützpunkte angegriffen. Angriffe auf die Prinz Sultan Air Base bei Riad haben den Saudis vor Augen geführt, dass sie die Zielscheibe sind, wenn sie den USA militärischen Handlungsspielraum gewähren.
Im Umgang mit dem Iran herrschen zunehmend Differenzen. Während die USA stärker auf militärische Abschreckung und Eskalationsbereitschaft setzen, will Saudi-Arabien weitere Eskalationen vermeiden. Riad versucht, Neutralität zu wahren, um nicht tiefer in den Konflikt hineingezogen zu werden. Entscheidungen werden stärker nach eigenen Sicherheitsinteressen getroffen, nicht automatisch im Einklang mit den USA. Strategische Kooperationen bleiben jedoch weiterbestehen.
Nach Informationen des «Wall Street Journal» haben Saudi-Arabien und Kuwait ihre Beschränkungen für das US-Militär inzwischen wieder aufgehoben. Im Fall Saudi-Arabiens sei dies das Ergebnis eines mehrerer Telefonate zwischen Trump und dem Kronprinzen gewesen.
Was bedeutet das für die zukünftige US-Präsenz in der Region?
Experten sehen ein Ende der uneingeschränkten US-Vorherrschaft. Saudi-Arabien orientiert sich zunehmend multilateral und bezieht auch Vermittler wie Pakistan oder China ein, um einen Ausweg aus der Eskalationsspirale mit dem Iran zu finden. Die US-Regierung muss erkennen, dass ihre Partner am Golf nicht mehr automatisch jede militärische Initiative mittragen, wenn ihre eigene nationale Sicherheit unmittelbar auf dem Spiel steht.