Wie afghanische Mädchen im Geheimen weiterlernen
Autor: Mathis Richtmann, dpa
, Freitag, 18. Sept. 2026
Seit fünf Jahren verbieten die Taliban Mädchen in Afghanistan höhere Schulbildung und den Zugang zu Universitäten. Aber einige Orte gibt es noch, an denen Frauenbildung möglich ist. Wie läuft das ab?
Wie eine ganz normale afghanische Schule sieht es aus. Nach Unterrichtsschluss rennen Kinder und etwas ältere Mädchen, die weiße Kopftücher tragen, über den Hof. Inmitten des Gewusels steht die Schulleiterin und sagt, sie habe Angst, dass die Taliban herausfänden, was sie da täten. «Dann schließen sie unsere Schule vielleicht.»
Seit mehr als fünf Jahren herrschen die islamistischen Taliban wieder in Afghanistan. Noch bei ihrer Machtübernahme im August 2021 hatten führende Mitglieder der Taliban davon gesprochen, dass Frauen den Zugang zu Bildung behielten. Nach den Schließungen infolge der Corona-Pandemie sollten am 18. September dann die Schulen wieder öffnen. Aber die Wiederöffnung für Mädchen ab der siebten Klasse wurde erst verschoben – und dann gänzlich ausgesetzt.
Seither seien 2,6 Millionen Mädchen vom Besuch weiterführender Schulen ausgeschlossen worden, schrieb das UN-Kinderhilfswerk Unicef vor einem Monat. Afghanistan sei das einzige Land, in dem Frauen und Mädchen explizit von höherer Bildung ausgeschlossen seien.
Lehrerin in Afghanistan: Englisch müssen wir können
Doch in der Schule, die auf den ersten Blick so normal aussieht, geht es für Mädchen auch nach der sechsten Klasse noch etwas weiter. Aus Sicherheitsgründen kann der Ort der Schule nicht genannt werden. Schülerinnen, Lehrerinnen und die Leitung sprechen nur anonym mit der Deutschen Presse-Agentur.
Vor allem mit dem Englischunterricht, den die Schule ebenfalls anbietet, könnte es unter der Taliban-Herrschaft schnell Probleme geben. Für die Lehrerin des Kurses ist aber gerade dieser Unterricht so wichtig: Geräte, die sie jeden Tag verwende, seien auf Englisch eingestellt. Und «im KI-Zeitalter müssen wir einfach alle Englisch können», betont sie.
Zudem werden Weiterbildungen in Kosmetik und Schneiderei angeboten. Kosmetiksalons sind als Gewerbe für Frauen mittlerweile eigentlich auch verboten. Aber, sagt eine Schülerin, sie wolle ihre Zeit nicht vergeuden. Wenigstens etwas lernen wolle sie. Solche Ausbildungen sind in Afghanistan nicht unbedingt gänzlich verboten – die Umsetzung der Regelungen folgt jedoch häufig der Auslegung örtlicher Taliban.
Taliban: Manche Unterrichtsformen erlaubt
Angesprochen auf ihr Bildungsverbot für Frauen verweisen Regierungsmitglieder der Taliban immer wieder auf angebliche islamische Werte. In einem Interview mit dem US-Sender CBS News sagte der Außenamtssprecher Abdul Kahar Balchi am Dienstag, dass die höhere Schulbildung für Frauen und Mädchen derzeit ausgesetzt sei, beschneide nicht deren Recht auf eine grundsätzliche Schulbildung. Unterricht zu Hause, Online-Unterricht und religiöse Schulen seien erlaubt, sagte er weiter.