Wer hat den Iran-Krieg gewonnen?
Autor: Arne Bänsch, Khang Mischke, Hans Dahne und Johannes Sadek, dpa
, Montag, 06. Juli 2026
Die USA, Israel und der Iran beanspruchen, ihre wichtigsten Ziele im Krieg erreicht zu haben. Ein Blick auf militärische, politische und wirtschaftliche Folgen zeichnet ein widersprüchlicheres Bild.
Donald Trump spricht von einem Sieg der USA. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu feiert einen «historischen Erfolg», und auch Teheran reklamiert den Kriegsausgang für sich. Doch Experten ziehen Monate nach Beginn des Konflikts eine deutlich differenziertere Bilanz – mit Verlierern auf allen Seiten, einschließlich Wirtschaft und Verbrauchern weltweit. Ein Überblick:
Verfehlte Ziele und zerrüttete Partnerschaften der USA
Für Trump stand bereits zwei Wochen nach Kriegsbeginn fest: «Wir haben gewonnen.» Dennoch sollte es noch Monate dauern, bis Washington und Teheran ein vages Rahmenabkommen vereinbarten. Ein diplomatischer und langfristiger Erfolg lässt hingegen weiter auf sich warten.
Geht man von den ursprünglichen Zielen der Mission aus, haben die USA nach Ansicht von Expertin Dana Stroul diese klar verfehlt. Ob die vollständige Kapitulation Teherans, der Schutz des iranischen Volkes vor dem brutalen Vorgehen der Führung gegen Demonstrationen, der Abschluss eines besseren Atomabkommens als jenes von 2015 unter Ex-US-Präsident Barack Obama oder die Befreiung der Region vom Einfluss des Irans: «All diese Ziele blieben unerfüllt», schrieb die Expertin vom Washington Institute for Near East Policy.
Gewonnen haben die USA den Krieg also nicht. Stattdessen habe der Konflikt mangelndes Vertrauen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren arabischen Partnern aufgezeigt. So bräuchten die Golfstaaten heute mehr denn je klare Sicherheitszusagen aus Amerika. «Sie verlieren jedoch den Glauben daran, dass Washington entschlossen ist, ihre Sicherheit sicherzustellen», so Stroul.
Der Iran-Krieg rüttelte auch an der jahrzehntelangen Partnerschaft zwischen den USA und Israel. Amerikaner aus dem gesamten politischen Spektrum blickten mittlerweile äußerst skeptisch auf die US-Offensive, schrieb Jon B. Alterman von der Denkfabrik CSIS: «Selbst unpolitische Amerikaner empfanden den gemeinsamen Krieg als äußerst egoistisch und völlig nutzlos für sie». Für Trump führte der Konflikt zudem zu deutlichen Diskursen mit Netanjahu, der teilweise als Kriegstreiber dargestellt wurde.
Irans Führung spricht von Sieg. Doch was ist mit der Bevölkerung?
Bereits die Anfang April verkündete Feuerpause hatte Irans Staatsführung als Sieg über zwei militärisch weitaus überlegene Staaten bezeichnet. Zwar wurden im Krieg zahlreiche hochrangige Vertreter aus Politik und Militär getötet sowie Militär- und Industrieanlagen zerstört. Regierung und Staatsspitze überstanden den Konflikt jedoch zunächst. Der einst von den USA und Israel in Aussicht gestellte «Regime-Change» in Teheran blieb aus.
Nach dem Tod des Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei bei einem Luftangriff am ersten Kriegstag und dem daraus entstandenen Machtvakuum ist jedoch ein Streit innerhalb des Machtapparats über die Zukunft der Islamischen Republik entbrannt. Einige erzkonservative Kräfte lehnen Verhandlungen mit den USA ab. Der moderat-konservative Präsident Massud Peseschkian verteidigt sie hingegen. Das Mitte Juni unterzeichnete Rahmenabkommen bezeichnete er als «großen Sieg für die Menschen im Iran».