Haftbefehl gegen Deutsche-Welle-Reporter in Türkei erlassen
Autor: dpa
, Freitag, 20. Februar 2026
Alican Uludag gilt als gut vernetzter Journalist. Nun wurde der Mitarbeiter der Deutschen Welle in der Türkei vor den Augen seiner Kinder festgenommen und dann verhaftet. Die Empörung ist groß.
Der seit mehreren Jahren für die Deutsche Welle (DW) in der Türkei tätige Journalist Alican Uludag ist verhaftet worden. Ein Gericht in Istanbul habe Haftbefehl wegen Beleidigung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan erlassen, berichtete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Nach Angaben der DW begründete das Gericht den Haftbefehl mit Fluchtgefahr.
Zuvor hatte die Istanbuler Staatsanwaltschaft nach Angaben der DW Ermittlungen nicht nur wegen Präsidentenbeleidigung eingeleitet, sondern auch wegen «öffentlicher Verbreitung irreführender Informationen» sowie «Beleidigung der türkischen Nation, des Staates und der Institutionen».
Vor den Augen der Familie abgeführt
Laut DW war Uludag am Donnerstag vor den Augen seiner Familie von etwa 30 Polizisten in Ankara festgenommen und abgeführt worden. Die größte türkische Journalistenvereinigung, Menschenrechtsaktivisten und die Bundesregierung forderten die sofortige Freilassung von Uludag.
Die DW erklärte, Uludags Wohnung sei durchsucht und IT-Geräte seien mitgenommen worden. Die Vorwürfe beziehen sich demnach auf einen etwa eineinhalb Jahre alten Post auf der Plattform X. Darin habe Uludag Maßnahmen der Regierung kritisiert, die mögliche Terroristen des Islamischen Staates freigelassen habe. Der Regierung habe er Korruption vorgeworfen.
Uludag sagte nach Angaben der Zeitung «Cumhuriyet» aus, er habe keine Straftat begangen. Man wolle verhindern, dass er bei Pressekonferenzen unangenehme Fragen stelle, und ihn zum Schweigen bringen. Erst vor kurzem hatte Erdogan den umstrittenen Staatsanwalt Akin Gürlek, der zahlreiche Ermittlungen gegen Oppositionelle führte, zum Justizminister ernannt.
Große Empörung
«Ich fordere die türkische Regierung auf, dafür zu sorgen, dass Alican Uludag sofort aus der Haft entlassen wird», sagte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) der Deutschen Presse-Agentur und betonte: «Journalistische Arbeit ist keine Straftat.»
Die Vorwürfe der türkischen Regierung gegen den DW-Journalisten seien haltlos. «Er muss freigelassen werden. Die Deutsche Welle und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen in der Türkei frei arbeiten und unabhängig berichten können.»