Merz will strategische Partnerschaft mit Golfregion ausbauen
Autor: Michael Fischer, Ulrich Steinkohl und Johannes Sadek, dpa
, Donnerstag, 05. Februar 2026
Der Kanzler will die Abhängigkeit von China oder den USA verringern und ist deswegen in der Golfregion unterwegs. Zum Auftakt trifft er jemanden, den westliche Regierungschefs lange geschnitten haben.
Unter dem Druck eines rasanten Wandels der globalen Ordnung will Bundeskanzler Friedrich Merz Deutschlands Stellung in der Welt mit engeren Partnerschaften auch in der Golfregion absichern. «Wir brauchen solche Partnerschaften mehr denn je in einer Zeit, in der zunehmend Großmächte die Politik bestimmen», sagte er zum Auftakt seiner Reise auf die Arabische Halbinsel.
Treffen mit saudischem Kronprinz zum Auftakt
Am Abend traf er in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad ein, um sich mit dem lange Zeit von westlichen Staaten geächteten Kronprinzen Mohammed bin Salman zu treffen. Geplant waren ein Empfang mit militärischen Ehren und ein gemeinsames Abendessen.
Der Kronprinz war 2018 unter anderem von US-Seite für den brutalen Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi im Generalkonsulat in Istanbul mitverantwortlich gemacht worden. Inzwischen spielt das in seinen internationalen Kontakten - auch denen zu Deutschland - keine größere Rolle mehr. Merz trifft ihn zum ersten Mal und hat erst einmal mit ihm telefoniert.
Katar und Vereinigte Arabische Emirate als weitere Stationen
Der Kanzler wird bei seiner ersten Reise in die Golfregion außerdem in Katar und in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) Station machen. Er kündigte an, den strategischen Dialog mit den drei Staaten ausbauen zu wollen. «Wir werden unsere Freiheit, unsere Sicherheit und unseren Wohlstand auf Dauer besser bewahren und mehren können, wenn wir solche Partnerschaften haben.»
Diese Partner mögen nicht alle die gleichen Werte und Interessen teilen, räumte Merz ein. «Aber sie teilen doch die Einsicht, dass wir eine Ordnung brauchen, in der wir auf Verabredungen vertrauen und uns mit Respekt begegnen.»
Regierung will Abhängigkeiten Deutschlands verringern
Nach seinen Antrittsreisen zu den Verbündeten in Europa und Nordamerika geht es für Merz nun darum, die Beziehungen zu wichtigen Ländern außerhalb von EU und Nato zu stärken. Deswegen war er bereits bei Gipfeltreffen in Afrika und Lateinamerika und besuchte Indien.
Das hat auch damit zu tun, dass sich Deutschland in einer neuen Weltordnung, in der Großmachtpolitik eine zunehmende Rolle spielt, neu orientieren muss. Abhängigkeiten von Supermächten wie China (Exporte und Rohstoffe) und den USA (Verteidigung, Flüssiggas, Handel) sollen verringert werden.