Was Großbritannien über den Andrew-Skandal denkt
Autor: Patricia Bartos, Sofia Calmicova und Jan Mies, dpa
, Samstag, 21. Februar 2026
Nach der Festnahme von Andrew diskutieren Britinnen und Briten über die Zukunft der Monarchie. Wie reagiert die Bevölkerung auf den Skandal um den Bruder des Königs und den Sexualstraftäter Epstein?
Weder der immer wieder einsetzende Regen noch die Schocknachrichten über den früheren Prinzen Andrew halten die Massen vom weltberühmten Buckingham-Palast fern. Reden wollen nach der zwischenzeitlichen Festnahme des 66-Jährigen aber nur wenige. «Wenn es um ihn geht, nicht», sagt jemand im Vorbeigehen. «Ich hoffe, er wird für immer weggesperrt.» Bedeutet der Sündenfall Andrew gar das Ende der britischen Monarchie?
An diesem Nachmittag, kurz vor dem Wochenende, deutet im Zentrum Londons nicht viel darauf hin, dass der Skandal um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, in den der Bruder von König Charles III. verwickelt ist, endgültige Auswirkungen auf das Vereinigte Königreich hat. Natürlich werden weiterhin Andenken gekauft und Fotos von dem prunkvollen Palast gemacht.
«Die britischen Menschen mögen die Idee der Monarchie», sagt der 77 Jahre alte Passant John, sofern diese Monarchie auch die Werte der Britinnen und Briten widerspiegle. Deshalb, glaubt er, werde das Königshaus auch den Skandal um Andrew überleben. Mit seinen bisherigen Reaktionen habe Charles III. «das Richtige» getan.
Andrew aus der Familie verstoßen
Der König hatte zeitig, nachdem Andrew wegen des Verdachts des Fehlverhaltens in einem öffentlichen Amt vorübergehend festgenommen worden war, eine Stellungnahme veröffentlichen lassen. Charles III. stellte klar, dass das Gesetz seinen Lauf nehmen müsse. Sein Bruder wurde mit dessen neuem, bürgerlichem Namen erwähnt: Andrew Mountbatten-Windsor. Im Gegensatz zu früheren royalen Zeiten wird das als sehr offener Umgang mit Problemen gewertet.
Die Auswirkungen der jüngsten Krise – Andrews Verwicklung in den Epstein-Skandal belastet die Briten seit Monaten und Jahren – lassen sich im Moment noch schwer beziffern. Schon in Umfragen vor der Festnahme war der zweite Sohn von Queen Elizabeth II. das in der Bevölkerung mit Abstand unbeliebteste Mitglied der Königsfamilie. An der Spitze der Lieblinge wechselten sich zuletzt Charles III., sein Sohn William als Thronfolger und dessen Ehefrau Kate ab.
Grundsätzlich kommen die Royals in Umfragen, auf die die großen Medien zurückgreifen, nicht wirklich schlecht weg. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge sahen im Januar sechs von zehn Briten die königliche Familie und die Institution der Monarchie in einem positiven Licht. Etwa ein Drittel bewertete die Royals negativ. «Ausgesprochen stolz» auf die britische Monarchie waren im Januar 47 Prozent der Befragten. Und jetzt nach Andrew?
Die große Krise der modernen Monarchie
Die Zeitung «The Times» schrieb von einer «weitaus größeren Krise» als die Abdankung von König Edward VIII. im Jahr 1936. Als einziger britischer Monarch in der Geschichte hatte Edward nach nicht einmal einem Jahr auf dem Thron abgedankt. Das galt als große Schande. Die aktuelle Entwicklung wird stellenweise mit Zynismus aufgenommen.