Was bedeutet die Wahl in Israel für Krieg und Frieden?
Autor: dpa
, Montag, 26. Oktober 2026
In Israel soll morgen ein neues Parlament gewählt werden. Welche Folgen hätten ein Regierungswechsel oder eine Wiederwahl der aktuellen Führung unter Netanjahu für die Konflikte der Region?
In Israel sollen die Menschen am 27. Oktober ein neues Parlament wählen - das Ergebnis wird auch Auswirkungen auf die Konflikte in der Region haben. Laut Umfragen dürfte es sowohl für das Lager des amtierenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu als auch für seine Gegner schwer werden, eine Mehrheit zu sichern. Könnte ein Regierungswechsel Frieden bringen?
Rückt die Zweistaatenlösung näher?
Selbst wenn das liberalere Anti-Netanjahu-Lager die Wahl gewinnen und eine neue Regierung stellen sollte, rechnen Experten in Israel nicht mit einem radikalen Wandel - und einem schnellen Friedensschluss. So lehnen auch die meisten Oppositionspolitiker die Gründung eines palästinensischen Staates ab, darunter Gadi Eisenkot, der nach Meinungsumfragen stärkste Rivale Netanjahus.
Mehr als 30 Jahre nach den letztlich gescheiterten Friedensvereinbarungen zwischen Israel und den Palästinensern herrscht ein tiefes Misstrauen zwischen den beiden Völkern.
Wie wird sich die angespannte Lage im Westjordanland entwickeln?
Beobachter rechnen aber damit, dass eine neue israelische Regierung zumindest die Gewalt im Westjordanland eindämmen und etwa entschlossener gegen gewalttätige Siedler vorgehen könnte. Laut der Politikwissenschaftlerin Ilana Shpaizman dürften radikale israelische Siedler dann zumindest weniger Rückendeckung von der Führung erhalten als derzeit.
Sollte wiederum Netanjahu gewinnen, fürchten Beobachter statt einer Entspannung eine Verschärfung der Lage - was wiederum Israels Ruf international weiter schädigen dürfte. «Konkret bedeutet das: noch mehr Siedlungsbau in den besetzten Gebieten und möglicherweise sogar gesetzgeberische Schritte zur Annexion von Gebieten im Westjordanland», sagt der frühere Leiter der Abteilung für palästinensische Angelegenheiten bei Israels Militärgeheimdienst, Michael Milshtein.
Rechtsextreme Regierungsmitglieder streben eine Annexion des von Israel besetzten Westjordanlands an. Dort und in Ost-Jerusalem leben heute inmitten von drei Millionen Palästinensern mehr als 700.000 israelische Siedler. Israel eroberte die Gebiete im Sechstagekrieg 1967.
Wie wird sich die Wahl auf den Krieg im Gazastreifen auswirken?
Experten sind optimistisch, dass es beim festgefahrenen Gaza-Plan mit einer neuen Regierung Fortschritte geben könnte. Milshtein geht etwa davon aus, dass die derzeitige Opposition eher dazu bereit sein könnte, politische Lösungen für den Gazastreifen zu akzeptieren.